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NWZonline.de Nachrichten Politik

Elf Jahre Haft: Münchner Islamist wegen Terrors in Syrien verurteilt

16.07.2015

München Als der Prozess gegen Harun P. im Januar begann, da saßen Männer mit Bärten und eine komplett verschleierte Frau im Publikum - gemeinsam mit dem Salafisten Bernhard Falk, der islamistische Straftäter betreut. Der sagte damals noch, Harun P. habe das Bundesverdienstkreuz verdient, weil er im syrischen Bürgerkrieg gegen das Regime von Baschar al-Assad gekämpft habe. Am Mittwoch, als Harun P. wegen seiner Beteiligung am islamistischen Terror in Syrien, wegen versuchten Mordes und Beihilfe dazu zu elf Jahren Haft verurteilt wird, ist die Gruppe nicht mehr da.

Der 27-jährige Harun P. ist der erste Syrien-Rückkehrer, dem in Deutschland ein Mordprozess gemacht wurde - und derjenige, der wegen seiner Beteiligung am islamistischen Terror nun die deutschlandweit bislang längste Haftstrafe dafür absitzen muss. „Ich gebe zu, sie sind hart, sie sind aber nicht zu hart“, sagt Richter Manfred Dauster über die elf Jahre Haft. „Das ist nicht der Ausflug ins Landschulheim.“

Harun P. hatte zugegeben, in einem Terrorcamp an Waffen ausgebildet worden zu sein, und dass er beim Sturm der Islamisten auf das Zentralgefängnis von Aleppo eine Mörsergranate abfeuerte. Mindestens sieben Menschen starben laut Bundesanwaltschaft bei dem Sturm auf das Gefängnis.

In islamistischen Kreisen gilt der Sohn afghanischer Einwanderer inzwischen als Verräter, nachdem er vor dem Oberlandesgericht München eine nahezu wundersame Wandlung vollzogen hat. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich den Seelenschmerz wieder gutmachen soll, den ich einigen angetan habe“, sagte er am letzten Verhandlungstag vor der Urteilsverkündung.

Er schäme sich für das, was er getan habe, und sprach von einer „dreckigen Ideologie“. Er wolle vor „diesem Abschaum“ warnen. „Diese Ideologie verbreitet sich im Großen und Ganzen wie ein Virus“, die Ideologie der Salafisten gleiche einer „Gehirnwäsche“. „Sollten die sich weiterhin Muslime nennen, muss ich sagen: Ich schäme mich, Muslim zu sein.“

Die Bundesanwaltschaft gab zu bedenken, sie könne nicht recht verstehen, was diese Wandlung des jungen Mannes ausgelöst habe. Von Harun P., der als islamistischer Gotteskrieger in den Dschihad zog, gibt es ein Video, das zeigt, wie er dem Rechtspopulisten Michael Stürzenberger in der Münchner Fußgängerzone droht, er werde ihm den Kopf abschneiden, und sagt: „Al Qaida ist das Beste, was es gibt“. Heute nimmt er im Gefängnis an einem evangelischen Bibelkreis teil. „Der junge Mann hatte jetzt über ein Jahr Gelegenheit, nachzudenken“, sagt Dauster. „Vielleicht ist es das Ergebnis eines Nachdenkens.“

In jedem Fall ist es dieser Wandlung zu verdanken, dass das Gericht schon vor der Urteilsverkündung bekanntgab, keine lebenslange Haftstrafe zu verhängen. „Ohne dieses Verhalten wäre es lebenslang geworden“, betont Richter Dauster.

Harun P., der schon vor seiner Ausreise nach Syrien straffällig geworden war, weil er seine langjährige Freundin, die auch bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal sitzt, wiederholt verprügelt hatte, wird dafür belohnt, dass er umfangreich über seine Zeit in Syrien und über Hintermänner aussagte - auch wenn Richter Dauster ihn im Prozess das ein oder andere Mal zur Ehrlichkeit ermahnen musste.

Harun P. wird auch dafür belohnt, dass er in anderen Prozessen gegen mutmaßliche Islamisten in Düsseldorf und Berlin sagte, was er wusste, und ehemalige Brüder im Geiste damit in Bedrängnis brachte. Im Gefängnis wurde er dafür bespuckt. „Sie haben durch Ihre Angaben, die unter schwierigen Bedingungen stattfanden, Aufklärungshilfe geleistet, wie wir es bisher von einem Angeklagten noch nicht erlebt haben“, sagt Dauster. Dafür kann Harun P. nun womöglich mit Mitte 30 wieder ein freier Mann sein.

Sowohl Bundesanwaltschaft als auch die Verteidigung werteten das Urteil als eines mit Signalwirkung: Wer sich am islamistischen Terror beteiligt, muss mit harten Strafen rechnen - und kann bei Reue gleichzeitig auf rechtsstaatliche Milde hoffen.

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