Münster - Angesichts schwieriger politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen überlegt einer Umfrage zufolge fast ein Drittel der Schweinemäster in Deutschland, die Arbeit aufzugeben. Hauptursache seien die Summe der Auflagen und die fehlende Perspektive, sagte am Montag Karl-Heinz Tölle von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) bei der Mitgliederversammlung in Münster.
„Viele Schweinemäster sind bereit, ihre Betriebe zum Beispiel in Richtung Tierwohl weiterzuentwickeln, scheitern aber an genehmigungsrechtlichen Hürden und Zielkonflikten“, sagte Tölle. Befragt wurden im vergangenen November 839 Schweinemäster in ganz Deutschland, die zusammen mehr als 1,6 Millionen Mastschweine halten – das entspricht acht Prozent des deutschen Mastschweinebestandes.
Der Umfrage nach überlegen mehr als 31 Prozent der Landwirte, in den kommenden zehn Jahren aus der Schweinemast auszusteigen. Bei einer Befragung unter Sauenhaltern im vergangenen Sommer hatte sogar jeder zweite Befragte angeben, in den nächsten Jahren aufhören zu wollen. Die größten Ausstiegsquoten gibt es nicht im Schweineland Niedersachsen, sondern in Bayern und Baden-Württemberg. Kleinere Betriebe dächten eher ans Aufgeben als größere.
ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes klagte in diesem Zusammenhang über mangelnde Planungssicherheit. Die Landwirte benötigten für Investitionen Perspektiven und Vertrauen in die Politik. „All das fehlt im Moment und sorgt für Stillstand“, sagte er. So behinderten Zielkonflikte zwischen Tierwohl- und Umweltschutzauflagen oft den Umbau der Ställe, weil diese mit Außenauflauf aus Gründen des Emissionsschutzes nicht genehmigt würden. Geben die deutschen Tierhalter auf, komme das Fleisch künftig häufiger aus dem Ausland.
