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Müssen Patient als ganzen Menschen wahrnehmen

Sabine Dobel

FRAGE:

Sie hatten über Jahrzehnte eine Praxis als Internistin – wie steht es ums Gesundheitswesen?

KOCH

: Im Gesundheitswesen schaut es momentan düster aus, weil wir die sprechende Medizin praktisch abgeschafft haben. Dabei wäre das die billigste Medizin, die viele teure und diagnostische Dinge ersparen könnte. Man kann damit auch die Selbstheilungskräfte der Patienten sehr anregen. Die Seele ist ein wichtiger Faktor. Eine richtige Anamnese war früher selbstverständlich. Wenn man einen Patienten neu bekam, hat man ihn erst mal von Kopf bis Fuß untersucht, begriffen, ertastet – und damit auch eine Vertrauensgrundlage geschaffen.

FRAGE:

Und das tut heute niemand mehr?

KOCH

: Natürlich gibt es noch Ärzte, die das machen – aber das ist mehr oder minder Hobby dieser Ärzte geworden. Ich finde es fatal, dass der Arztberuf heute eher nach den Kriterien von Krankenkassen und Geld ausgeübt wird – statt dass der Arzt das tun kann, was er gelernt hat, und dazu gehört das Wahrnehmen des Patienten als ganzer Mensch.

FRAGE:

Arbeit hält jung – Sie selbst liefern den Beweis. Die Rente mit 67 oder sogar noch später: Ist das vielleicht sogar ein Weg zu mehr Gesundheit?

KOCH

: Da muss man sehr differenzieren. Wenn jemand von 16 an sein Leben lang als Dachdecker, Maurer oder in einem anderen körperlich sehr anstrengenden Beruf gearbeitet hat, dann hat er das gute Recht zu sagen: So, jetzt will ich eben nicht mehr auf den Bau raufsteigen. Für andere, die ihren Beruf lieben und sich wohlfühlen, kann es eine sehr positive Sache sein, wenn sie länger berufstätig sind. Das muss ja nicht in vollem Umfang sein. Wenn man gezwungen würde, auf einer Schiene weiterzumachen, die man schon bisher gehasst hat, bringt das gar nichts. Wichtig ist, dass man im Alter die Freiheit hat, das zu tun, was man gerne tut – vielleicht auch in einer ehrenamtlichen Tätigkeit.

FRAGE:

Trotzdem ist Älterwerden nicht immer leicht.

KOCH

: Wenn man älter wird, braucht man ein gewisses Maß an Mut, aus unterschiedlichen Gründen: Man muss diesem Älterwerden mit Gelassenheit entgegensehen, man muss zur Kenntnis nehmen, dass es irgendwann zu Ende geht, und man braucht Mut, um sich gegen den Jugendwahn in der Gesellschaft und auch gegen das Bild zu stemmen, das die Menschen vom Alter haben als etwas Negatives.
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