Wildeshausen - Berührungsängste hat Omar Sharaf Aldin nicht. Ohne zu zögern begrüßt der 19-Jährige freundlich Maria Adolph, die im ev. Altenzentrum Alexanderstift lebt, und setzt sich zu ihr. Dafür legt sie neugierig ihre Zeitung weg. Momente später unterhalten sich beide freundlich und rechnen gemeinsam am Abakus. Dass ihnen noch eine große Gruppe Flüchtlinge aus dem Sprint-Projekt dabei zuschaut, interessiert die beiden wenig. Die Seniorin will den Sudaner gar nicht mehr gehen lassen und hält seinen Arm. Zur Verabschiedung ruft sie ihm noch zu: „Schön Deutsch lernen!“.
Fit für die Ausbildung
Am Mittwoch besuchte die Sprint-Klasse der BBS Wildeshausen das Alexanderstift. Sprint steht für „Sprache und Integration“. Das Projekt hat das Ziel, nicht mehr schulpflichtige junge Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Vorher soll es Berufe vorstellen und die Schüler fit für eine Ausbildung machen.
„Es ist keine Flüchtlingsklasse mit dem Schwerpunkt Pflege“, macht Axel Möhl, Koordinator des Projekts, deutlich. Der Ausflug zeige nur ein weiteres Betätigungsfeld. Die Teilnehmer kämen aus Syrien, dem Irak und dem Sudan – Leute mit hoher Bleibeperspektive. „Es ist die Vorstufe zur Berufsausbildung oder Praktika.“
Die Flüchtlinge in der ersten Sprint-Klasse seien „lernwillig, schnell lernend, motiviert und fleißig“, so Möhl. Arbeit in der Pflege sei zum Beispiel kein Problem, denn nur wenige von ihnen hätten Berührungsängste. „Das kennen viele schon aus der eigenen Familie.“ Aber auch im Kochberuf oder im Handwerk sahen sich viele von ihnen in Zukunft.
Gesucht in Pflegeberufen
Menschen aus anderen Ländern über eine Ausbildung hier für die Pflege zu gewinnen sei besser als eine mühsame und teure Anwerbung von ausgebildeten Pflegekräften aus anderen Ländern, findet Sascha Lücke, Leiter des Alexanderstifts an der Heemstraße.
„Das Interesse des Handwerks an Flüchtlingen ist groß“, weiß der Koordinator des Projekts. Aber im Moment werde für eine erfolgreiche Berufsausbildung noch ein zu hohes Sprachniveau für sie vorausgesetzt. Bis dieses erreicht werde, müsse noch Zeit vergehen. „Sonst sind die Prüfungen nicht zu schaffen.“
Projektteilnehmer wie Omar könnten, sobald sie sich als qualifiziert herausstellen, jederzeit das Projekt verlassen und in einen anderen Bereich in der Berufsschule einsteigen. „Sie sind ein Juwel, sie brauchen nur Zeit und eine Chance“, ist sich Möhl sicher.
