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NWZonline.de Nachrichten Politik

Nachruf: Der Muster-Sozialdemokrat

27.07.2020

Noch im hohen Alter trieben der drohende Zerfall Europas und die Lage der SPD Hans-Jochen Vogel um. Obwohl es ihm seine Parkinson-Erkrankung kaum noch erlaubte, seine Gedanken lesbar zu Papier zu bringen, schrieb der ehemalige SPD-Chef im Sommer 2019 noch ein Buch über den nicht nur in seiner Wahlheimat München außer Kontrolle geratenen Miet- und Immobilienmarkt.

Mit seinem letzten Buch „Mehr Gerechtigkeit“ verfolgte Vogel aber noch ein anderes Ziel: Ein letztes Mal wollte er Einfluss auf die Programmatik seiner Partei nehmen und sich zugleich auch einen eigenen politischen Fehler von der Seele schreiben. Nun ist er im Alter von 94 Jahren in München gestorben.

Kritische Natur

In der SPD galt Vogel immer als Muster-Politiker und bis zuletzt als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen. Doch mit Blick auf die explodierenden Preise für Baugrund gab er sich im November 2019 sehr selbstkritisch: „Auch ich hätte in meinen verschiedenen Funktionen, die ich bis 1991 innehatte, das Thema eigentlich im Auge behalten und wieder aufgreifen müssen.“

Abgesehen vom großen Thema „soziale Gerechtigkeit“ trieb Vogel bis ins hohe Alter aber noch ein anderes Problem unserer Zeit um: der drohende Zerfall Europas. Schon als der Austritt Großbritanniens aus der EU sich erstmals abzeichnete, sagte Vogel, dass 70 Jahre Frieden in Europa nur durch die Überwindung des Nationalismus möglich geworden seien. „Wir haben in einem gemeinsamen europäischen Haus zueinander gefunden.“

Seine Parkinson-Erkrankung hatte Vogel erst wenige Jahre vor seinem Tod öffentlich gemacht, bis zuletzt lebte er mit seiner Frau Lieselotte in einer Seniorenresidenz in München. Hier ließ er sich – sofern es seine Gesundheit zuließ – von Freunden, Journalisten und auch Parteifreunden besuchen. Mit ihnen diskutierte er dann auch gern über hochaktuelle Fragen wie die Flüchtlingskrise oder die Gefahren, die von Pegida & Co. ausgehen.

Wer Vogel erreichen wollte, der brauchte viel Geduld – Handy und Computer verschmähte er. Das passte zu einem, der in seiner aktiven Zeit für das penible Aufbewahren seiner Unterlagen in Klarsichthüllen bekannt war.

Vogel fühlte und litt auch hochbetagt noch immer mit – mit der Politik, mit seiner Partei, auch mit seinen Nachfolgern. Und dann ermahnte er die SPD, selbstbewusst zu sein: „Was die Sozialdemokratie für Freiheit und Demokratie und Gerechtigkeit in 150 Jahren geleistet hat! Wir sollten nie in Vergessenheit geraten lassen, dass die Sozialdemokraten 1933 die Ehre der Demokratie hochgehalten haben. Wir sind nicht eine Tageserfindung, sondern wir sind ein gestaltendes Element der deutschen Geschichte.“

Vogel hat diese deutsche Geschichte ein Stück weit mitgestaltet: Mit 34 Jahren wurde der in Göttingen geborene Professoren-Sohn Oberbürgermeister in München – und damit jüngster OB einer Großstadt. Vogels Karriere war gezeichnet von Glanzpunkten wie Niederlagen: Bundesbau- und Bundesjustizminister, für knapp vier Monate Regierender Bürgermeister in Berlin, SPD-Partei- und Fraktionschef – und Kanzlerkandidat. Doch da unterlag er Helmut Kohl.

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Mit sich selbst im Reinen

Dass er ein tüchtiger Bundeskanzler geworden wäre, davon waren nicht nur Weggefährten wie Helmut Schmidt überzeugt. Grund für Verbitterung, dass ihm dieser Gipfel versagt blieb, sah Vogel aber nicht: „Die Belohnung für ein engagiertes und nicht eben unfleißiges Leben sehe ich darin, dass ich mit mir einigermaßen im Reinen bin. Das ist mir wichtiger, als wenn ich damals gegen Helmut Kohl Kanzler geworden wäre.“

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