NAIROBI/BERLIN - Grausame Eskalation der Gewalt nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Kenia: Dutzende Frauen und Kinder sind in einer Kirche bei lebendigem Leibe verbrannt. Nach Medienberichten suchten sie Zuflucht vor einem gewalttätigen Mob, der das Gotteshaus jedoch in Brand steckte.
Der britische Sender BBC berichtete am Dienstag unter Berufung auf Polizei und Augenzeugen von mindestens 30 Toten, darunter 25 Kinder. Die kenianische Zeitung „Daily Nation“ sprach sogar von bis zu 40 Menschen, die in den Flammen gestorben seien. Der Vorfall ereignete sich im Ort Eldoret im Westen des ostafrikanischen Landes, wo Oppositionskandidat Raila Odinga besonders viele Anhänger hat.
Der 76 Jahre alte Amtsinhaber Mwai Kibaki war am Sonntagabend zum Sieger erklärt worden. Odinga akzeptiert das Wahlergebnis nicht und spricht von Manipulation. Er rief für Donnerstag zu Massendemonstrationen im ganzen Land auf.
Vor der Gewalt in der Hauptstadt Nairobi und im Westen des Landes flohen tausende Menschen. Nach Angaben eines Polizeisprechers kamen mindestens 145 Menschen bei Gewaltausbrüchen seit der Wahl am vergangenen Donnerstag ums Leben.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Europäische Union forderte ein Ende der Gewalt. Die USA äußerten sich besorgt über „Unregelmäßigkeiten“ bei der Stimmenauszählung. Auch die EU-Wahlbeobachter in Kenia sprachen sich für eine unabhängige Untersuchung des Wahlergebnisses aus.
Bundesaußenminister Frank-Walter (SPD) zeigte sich ebenfalls besorgt. „Die Wahlen waren ein Nachweis des demokratischen Selbstbewusstseins der Menschen in Kenia. Ihre Durchführung entsprach aber nicht den internationalen Standards“, betonte der Außenminister.
