NAIROBI - „Kann Kofi Annan Kenia retten?“ Das fragte die größte Zeitung Nairobis, die „Daily News“. Die Frage skizziert die dramatische Lage, in die Kenia seit Bekanntgabe der manipulierten Ergebnisse der Präsidenten- und Parlamentswahlen zu Jahresbeginn geschlittert ist. Der ehemalige UN-Generalsekretär soll nun zusammen mit der Ehefrau des früheren südafrikanischen Präsidenten, Graca Machel Mandela, und dem ehemaligen Präsidenten Tansanias, Benjamin Mkapa, im „Krieg“ zwischen Kenias Präsident Mwai Kibaki und dessen Widersacher Raila Odinga vermitteln.

Solche Bemühungen hatte am Freitagabend der Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), der ghanaische Präsident John Kufour, ergebnislos beendet und war resigniert abgereist. Kibaki hatte ihm schlicht mitgeteilt, er habe kein Interesse an einer internationalen Vermittlung. Kenia sei stabil und habe einen gewählten Präsidenten.

Oppositionsführer Odinga hatte zur gleichen Stunde erklärt: Kibaki habe in „seinem zivilen Staatsstreich“ die Macht unrechtmäßig an sich gerissen.

Unversöhnlich stehen sich Kibaki und Odinga nun gegenüber. Mit 4,3 Millionen Stimmen hatte Odinga nur knapp 231 000 Stimmen weniger als die – manipulierten – 4,5 Millionen, die für Kibaki angegeben wurden. Odinga aber hat mit seiner ODM 99 der 210 Mandate im Parlament errungen, Kibakis PNU aber nur deren 43. Die

Mehrheit wird geradezu erdrückend, wenn es Odinga gelingt, die 35 Sitze der kleineren Parteien auf sich zu vereinigen, deren Vorsitzende er zu Gesprächen eingeladen hat. Dann hätte er 136 Mandate hinter sich. Kibaki kann zu den 43 Sitzen seiner PNU bestenfalls 14 der Partei Narc und die 16 der ODM-K hinzufügen. Er käme damit auf eine Koalition mit 73 Mandaten.

Nach zwei Wochen der Unruhen, des Aufruhrs, des Mordens und Brandschatzens sieht Kenia der dritten Woche des neuen Jahres mit Spannung entgegen.