Oldenburg - Wenn Stadtplaner auf Naturschützer treffen, ist Spannung garantiert. „Ich bin erstaunt, was es in den Behörden so alles gegeben hat“, sagte Werner Michaelsen, in seinem Vortrag über „Lust und Frust“ eines Naturschutzbeauftragten, der er in den 80er-Jahren in Oldenburg war.
Zeit der großen Pläne
Mit ein wenig gespielter Überraschung reagierte Michaelsen auf die Ausführungen von Carsten Zillich, zur selben Zeit (1974-1991) Leiter des Stadtplanungsamtes. Beide sprachen am Dienstagabend im Landesmuseum Natur und Mensch zum Thema „Stadtentwicklung und Naturschutz – ein ungleiches Paar?“. Dritte im Bunde der Vortragenden war die jetzige Leiterin des Planungsamtes, Elke Wicherts.
Dass das Spannungsverhältnis zwischen Stadtentwicklung und Naturschutz nicht neu ist, verdeutlichte Zillich mit seinem Rückblick auf die 70er-Jahre. Denn auch damals war Oldenburg eine wachsende Großstadt mit zunehmendem Flächenbedarf. „Bis dahin galt jedoch der Grundsatz: Wenn gebaut werden soll, muss Natur weichen“, berichtete der ehemalige Amtsleiter. Doch die Zeit der Planung von oben, des „großen Wurfes“, der nur noch abgenickt werden musste, ging allmählich zu Ende. Es kam zur Demokratisierung der Prozesse und zum Leitbild einer integrierten Stadtentwicklung. „Planung entwickelte sich zunehmend zur Querschnittsaufgabe unterschiedlicher Akteure“, erklärte Zillich.
Soweit die Theorie. In der Praxis aber blieben teils heftige Auseinandersetzungen nicht aus. Bürgerproteste – etwa gegen einen früheren Entwurf der Amalienbrücke – haben dann jedoch oft zu Korrekturen geführt.
Wachstums-Euphorie
„Das war damals eine aufgeheizte Atmosphäre. Es gab praktisch nur Freunde oder Gegner des Naturschutzes“, erinnerte sich Michaelsen in seinem launigen Vortrag. Die herrschende „Wachstums-Euphorie“ in der selbst ernannten „Übermorgenstadt“ Oldenburg betrachtete der pensionierte Studiendirektor kritisch. „Was ist damit eigentlich gemeint, vor allem mit Blick auf die Lebensqualität?“, fragte er und leitete damit zu Elke Wicherts über.
Konkurrenz: Wohnraum
Die Planerin verglich zunächst einen Bebauungsplan von 1978 mit einem aktuellen und hob die deutlich gewachsenen Beteiligungsmöglichkeiten hervor. „Naturschutz denken wir heute immer mit“, sagte sie und skizzierte das Oldenburger Stadtentwicklungsprogramm „Step 2025“. Dass in den zehn Leitzielen der Naturschutz jedoch nicht vorkommt, monierten viele Zuhörer. „Der versteckt sich hinter anderen Punkten“, antwortete Wicherts und benannte das aktuelle Spannungsfeld. Denn Prognosen zufolge wächst die Stadt noch bis 2025 auf rund 165 000 Einwohner, verbunden mit dem Bedarf an bebaubarer Fläche. Naturschutz konkurriere in diesem Punkt mit der Sicherstellung von genügend Wohnraum, räumte Wicherts ein: „Wir müssen aber die richtige Balance finden.“
