Oberhausen/Berlin - Nach gut zwei Jahrzehnten endet im nächsten Jahr die Bundestagskarriere des streitbaren Grünen-Politikers Volker Beck – und zwar mit einem Paukenschlag von der Parteibasis. Eigentlich wollte der 55-Jährige 2017 für weitere vier Jahre in die Verlängerung. Doch da spielte sein Landesverband nicht mit: In einer Kampfkandidatur gegen den renommierten Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff stattete die Basis Becks Herausforderer am Wochenende beim Landesparteitag in Oberhausen mit fast dreimal so vielen Stimmen aus.

Beim Ringen um Platz zwölf – und damit einen der letzten aussichtsreichen Plätze auf der NRW-Landesliste – hatte Beck am Freitagabend erfolglos auf Vorwärtsverteidigung gesetzt. „Ihr wisst, ich bin manchmal eine Nervensäge, aber ich brenne für die Sache, und ich gehe auch dahin, wo es weh tut“, sagte er in seiner Kandidatenrede. „Ich möchte mit meiner Hartnäckigkeit und Ungeduld, aber auch mit meinen Fehlern um Euer Vertrauen bitten.“ Doch davon hatte der streitbare Kölner offensichtlich schon zu viel verspielt.

Seine Angreifbarkeit in der Aufarbeitung der Pädophilie-Debatte aus den frühen Jahren der Grünen hat viele in der Partei verärgert. Dann kam noch ein Drogenfund im März hinzu. Klare Distanzierungen, Entschuldigungen und wegen „geringer Schuld“ beendete Verfahren konnten die Negativ-Schlagzeilen nicht vergessen machen.

Sein eigener Kölner Kreisverband hob nicht Beck auf den Schild, sondern unterstützte die Spitzenkandidatur des jungen Landesparteichefs Sven Lehmann. Der 36-jährige Kölner landete am Ende zwar auch nicht auf dem erwünschten Platz zwei, immerhin aber auf Rang vier.

Die Kölner Basis – mit Abstand größter Kreisverband in Nordrhein-Westfalen – leitete offensiv einen Generationswechsel ein und stellte nach Abschluss der Listenwahl nüchtern fest, nun sehe er sich mit ausgewiesenen Experten gut gerüstet für den Wahlkampf: „Der langjährige Kölner Bundestagsabgeordnete Volker Beck wird auf der Liste nicht mehr vertreten sein.“

Einen Tag nach der Klatsche gab es zum Abschluss der Listenwahlen immerhin eine versöhnliche Geste. Die Delegierten erhoben sich und spendeten im Stehen Applaus für den bald zwangsweise scheidenden Abgeordneten. „Die Grünen NRW sind Dir zu großem Dank verpflichtet“, lobte Landesparteichef Lehmann. „Für Dein Eintreten für gleiche Rechte für alle Menschen und für Deinen Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Art von Menschenfeindlichkeit.“