Hannover - Niedersachsens Landtag hat eine neue Adresse - seit Donnerstag trägt der Platz vor dem Landesparlament den Namen der aus Hannover stammenden jüdischen Philosophin Hannah Arendt. Zuvor hatte es eine monatelange Debatte wegen der NS-Vergangenheit des bisherigen Namensgebers Hinrich Wilhelm Kopf gegeben.
Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) und Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) enthüllten am Donnerstag das neue Straßenschild. Rundts Ministerium liegt ebenfalls an dem Platz.
Der Name des ersten Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf wurde nach Enthüllungen über dessen NS-Vergangenheit als nicht mehr akzeptabel angesehen. Der SPD-Politiker war von 1946 bis 1955 und von 1959 bis zu seinem Tod 1961 Regierungschef. Eine Historikerin fand 2013 heraus, dass er sich einst auf Kosten verfolgter Juden bereichert hatte.
Bei der Zeremonie am Donnerstag würdigten alle Redner seine Verdienste beim Aufbau Niedersachsens, wiesen aber auch auf die Notwendigkeit der Umbenennung hin. Schostok nannte Arendt (1906-1975) „eine herausragende, politische und kluge Persönlichkeit“. Die weltweit anerkannte Vordenkerin habe einen geistigen Grundstein für den freiheitlich-demokratischen Grundkonsens der Bundesrepublik geschaffen, sagte Busemann. „Den Platz vor einem Parlament nach ihr zu benennen, ist daher Mahnung und Herausforderung zugleich.“
