Berlin - Die Grünen bleiben wegen ihres früheren Umgangs mit Pädophilen-Gruppen in der Kritik. Einer ihrer Mitbegründer, Wolf-Dieter Hasenclever, wirft der Partei vor, durchaus die Möglichkeit gehabt zu haben, den Propagandisten der Straffreiheit von gewaltfreiem Sex mit Kindern ihren internen Einfluss zu nehmen.
Hasenclever, der die Partei inzwischen verlassen hat, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Versuche der Pädophilen, ihre Forderungen durchzusetzen, gab es überall bei den Grünen. Ob diese Forderungen dann im Wahlprogramm aufgenommen wurden, hatte damit zu tun, ob man die Leute gewähren ließ oder ihnen entschieden entgegentrat.“
In Göttingen hatte der Bundestagswahl-Spitzenkandidat Jürgen Trittin 1981 ein Wahlprogramm mitverantwortet, das dafür warb, gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen nicht zu bestrafen. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Wolfgang Wieland, sagte der Zeitung am Wochenende: „Es gab bei den Grünen eine fehlende Bereitschaft, Leute rauszuschmeißen.“
Der Göttinger Parteienforscher Franz Walter, der für die Partei die Vorgänge aufklären soll, sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“: „Es gibt viele, die damals bei den Debatten dabei waren. Es ist ihre historische Pflicht zu klären: Wie konnten diese Forderungen Eingang in unsere Programme finden?“ Er fügte hinzu: „Das alles zunächst ohne Kameras und Mikros. Aber dann Klartext reden und keine Nebelkerzen mehr.“
Franz Walter hatte bereits zuvor die Rat- und Sprachlosigkeit der Grünen im Umgang mit den eigenen Verstrickungen in der Vergangenheit scharf kritisiert. Mit Blick auf Kritik an seinem Agieren sagte der Leiter des Instituts für Demokratieforschung nun: „Einschüchtern lassen wir uns nicht.“ Wissenschaft müsse frei sein, auch wenn es schmerze.
