NEUENBURG - Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Sportfischervereins Friesische Wehde fand die diesjährige Jahreshauptversammlung des Deutschen Fischerei-Verbandes am Sonnabend in Neuenburg statt. Hiesige Politiker, wie Landrat, Bürgermeister und regionale Bundestagsabgeordnete überbrachten Grußworte und hörten sich die Sorgen und Nöte der Fischer an. Der Präsident des Deutschen Fischerei-Verband Holger Ortel berichtete von den Bemühungen, mit dem Deutschen Anglerverband, der in der ehemaligen DDR entstanden ist, endlich einen gemeinsamen großen deutschen Angelfischereiverband zu gründen. Beide Verbände nutzen ihre Möglichkeiten sich in die gesellschaftlichen Entscheidungsprozesse einzubringen, die mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf die Angelfischerei in Deutschland haben. Nicht wenige Themen, die für die Angelfischerei von entscheidender Bedeutung sind, werden durch die Verbände parallel bearbeitet. Beispielsweise die Bemühungen, vom Aussterben bedrohte Fischarten wieder anzusiedeln, der Einsatz für die Verbesserung der Fließgewässer, die Fragen des Managements von fischfressenden Tierarten und nicht zuletzt die Aufgabe, einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass die ordnungsgemäße Ausübung der Angelfischerei eine sinnvolle, soziale, in die Natur eingebundene Betätigung von erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung ist.
Ein weiteres Thema betrifft den „schwarzen Kampftaucher“. Um den Kormoran stand es Anfang der 1980er Jahre schlecht. Deshalb wurde er auch unter Schutz gestellt. Aber mittlerweile geht es dem Kormoran nicht mehr schlecht. Es geht ihm so gut, dass es allein in Deutschland rund 140 000 Kormorane gibt, die sich hauptsächlich von Fisch ernähren. Ganz praktisch bedeutet das: Artenschutzprogramme für bedrohte Arten Lachs, Meerforelle, Äsche und Aal geraten ernsthaft in Gefahr. Deutsche Angler und Fischer haben kürzlich über 100 000 Unterschriften für ein europäisches Kormoranmanagement gesammelt und an Bundeskanzlerin Merkel übergeben.
Dr. Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes sprach zur Fischerei und Offshore-Windparks: „Die Fischer sind 200 - 250 Tage rund um die Uhr auf dem Meer. Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens auf dem Wasser und werden praktisch aus ihrem Lebensraum vertrieben. Sie haben keine Möglichkeit, ihre Fanggebiete zu verteidigen. Der Grund dafür ist die schwache Rechtsposition der Fischerei.“
Von einem Rätsel, das auch Fachleute noch nicht erklären konnten, berichtete Vorsitzender Dirk Sander, vom Verband der kleinen Hochsee- und Küstenfischerei. „In einem 80 Kilometer breiten Streifen in der Nordsee, wo es vor 15 Jahren noch jede Menge Plattfisch gab, ist heute nichts mehr, jetzt gibt es dort nur Krabben und Seesterne“.
