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NWZonline.de Nachrichten Politik

„provinz Chorassan“: Neuer IS-Ableger gewinnt an Macht in Afghanistan

09.06.2017

Islamabad Beim afghanischen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat tobt ein Machtkampf zwischen berüchtigten usbekischen Kämpfern und Pakistanern mit Verbindungen zum mächtigen Geheimdienst in Islamabad. Darauf deutet ein Brief eines ranghohen Mitglieds der Terrormiliz hin, der der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurde.

Der IS-Ableger „Provinz Chorassan“ tauchte 2014 erstmals auf und ist nach einer Region benannt, die Teile Afghanistans, Irans und zentralasiatischer Staaten umfasst. Er schwor Treue zum IS in Irak und Syrien, besteht jedoch hauptsächlich aus frustrierten ehemaligen Taliban und anderen Aufständischen aus Süd- und Zentralasien. Nun kommt es zu Unstimmigkeiten, während die Dschihadisten gegen die von den USA unterstützte Regierung kämpfen, aber auch gegen die Etablierteren unter den Taliban, von denen sie sich in Taktik, Führung und Ideologie unterscheiden.

Der AP vorliegende Brief ist von Moawija Usbekistani unterschrieben - vermutlich ein Nom de Guerre eines Usbeken, der von sich sagt, er führe die Gruppe „Provinz Chorassan“ seit dem Tod von Abdul Hassib. Hassib war bei einer gemeinsamen Operation afghanischer Spezialkräfte mit US-Kräften im April getötet worden. Usbekistani weist Berichte zurück, wonach ein Kämpfer namens Scheich Aslam Faruki zum Anführer der Gruppe bestimmt wurde, und vermutet den pakistanischen Geheimdienst Isi hinter den Gerüchten. Gleichzeitig warnt er vor „Ungläubigen, Geheimdiensten und Täuschern hinter den Kulissen“.

Nach Angaben von Kämpfern verbündeter Gruppen wollen zentralasiatische Extremisten wie auch Afghanen die Führung der Gruppe nicht länger in pakistanischer Hand sehen, obwohl der IS in Afghanistan von dem pakistanischen Stammesangehörigen Hafiz Saeed Khan gegründet wurde. Im Juli 2016 wurde Khan bei einem US-Drohnenangriff getötet.

Wie zwei Insider anonym berichteten, vergrößerte sich die Kluft zwischen den Fraktionen vor kurzem bei einem Treffen 40 hochrangiger IS-Kommandeure im pakistanischen Orakzai-Stammesgebiet. Dabei ernannte der Rat Saif-ul Islam, einen engen pakistanischen Verbündeten Khans, zum neuen Anführer. Da die Aufständischen unterschiedliche Namen nutzen, wurde zunächst nicht deutlich, ob der im Brief genannte Scheich Aslam Faruki und Saif-ul Islam dieselbe Person sind. Zum Stellvertreter wurde demnach Scheich Abdul Kadir Chorassani ernannt, ein Afghane aus der Provinz Kunar im Osten. Vom IS gab es keine Bestätigung, auch Geheimdienstvertreter in Washington wollten keinen Kommentar abgeben.

Die Gebirgsregion an der afghanisch-pakistanischen Grenze beherbergt auch mehr als 16 Jahre nach der US-Invasion in Afghanistan zur Beendigung der Taliban-Herrschaft und zur Vertreibung des Terrornetzwerks Al-Kaida noch immer verschiedene extremistische Gruppen. Zu einigen von ihnen soll der pakistanische Geheimdienst Verbindungen unterhalten, darunter zu den afghanischen Taliban.

Am Mittwoch warnte Russland, die Terrormiliz bedrohe Afghanistans Nachbarn. Bei einem Sicherheitstreffen in Kasachstan sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu, Moskau werde die Kampfbereitschaft auf seinen Militärbasen in Tadschikistan und Kirgistan mit neuesten Waffen verstärken - aus Angst vor einem „Übergreifen terroristischer Aktivitäten von Afghanistan auf Zentralasien“. „Der Aufstieg von IS-Kämpfern in Afghanistan gibt besonderen Anlass zur Sorge“, wurde Schoigu von russischen Nachrichtenagenturen zitiert. „Die Strategie der Gruppe, ein islamisches Kalifat zu errichten, stellt eine Bedrohung nicht nur für Afghanistan, sondern auch für die Nachbarländer dar.“

Sorgen macht vor allem das wachsende Selbstbewusstsein usbekischer Kämpfer innerhalb des IS-Ablegers. In der pakistanischen Provinz Süd-Waziristan wüteten usbekische Kämpfer so heftig, dass sich die zerstrittenen Stämme der Region zusammentaten, um sie 2015 zu vertreiben. Sie ließen sich dann in Nord-Waziristan nieder, bevor sie von einer pakistanischen Militäroffensive über die Grenze getrieben wurden. Seitdem lieferten sie sich Kämpfe mit den Taliban in verschiedenen Teilen Afghanistans und reklamierten tödliche Anschläge in Kabul für sich, darunter den Angriff auf ein Militärkrankenhaus im März mit 50 Toten.

Nach Einschätzung des Moskauer Experten für zentralasiatische Extremisten Arkadi Dubnow gründet das brutale Image der Usbeken darauf, dass sie in weiten Teilen Afghanistans und Pakistans, die von anderen ethnischen Gruppen dominiert werden, als Fremde gelten. Dies erklärt möglicherweise auch ihre Spannungen mit den afghanischen Taliban. Zwar wollen sowohl der IS als auch die Taliban die afghanische Regierung stürzen und die Scharia einführen, doch sieht sich der IS als Teil einer weltweiten Bewegung, während die Taliban ihre Aktionen auf Afghanistan beschränken.

Dubnow zufolge arbeitet der Sohn des Usbeken Tahir Juldaschew daran, den Einfluss des IS in Afghanistan auszubauen. Juldaschew war der einflussreiche Anführer der verbotenen Islamischen Bewegung Usbekistans, der bei einem US-Raketenangriff in Pakistan 2009 getötet wurde.

Inzwischen seien zentralasiatische Kämpfer eine wesentliche Stütze des IS-Ablegers, betont Anatol Lieven, Experte für die Region an der Georgetown-Universität in Katar. „Sie wurden zum IS getrieben durch die langjährige Aussage der Taliban, dass sie keine internationalen Dschihadisten seien“, erklärt Lieven. „Schätzungen zufolge leben zwischen 6000 und 25 000 usbekische, tadschikische, turkmenische und andere Kämpfer aus der ehemaligen Sowjetunion in Afghanistan.“

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