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NWZonline.de Nachrichten Politik

Neuer Labour-Chef spaltet die Partei

14.09.2015

London Es war ein echter Corbyn-Moment. Als der Sieg des 66-Jährigen feststand, jubelten seine Fans in der Labour-Partei so enthusiastisch, dass der Mann auf der Bühne sie mehrmals zur Ordnung rufen musste. Jeremy Corbyn, Pazifist, Marx-Bewunderer, Hinterbänkler und notorischer Parteirebell seit 32 Jahren, steht seit Sonnabend an der Spitze der britischen Sozialdemokraten.

Innerhalb weniger Wochen hat er sich vom chancenlosen Links-Außenseiter zum Favoriten gemausert. Seine Wahl mit fast 60 Prozent der Stimmen ist eine Sensation. Und eine gigantische Herausforderung für die Partei. Denn während der Gewählte vorn wie ein Rockstar bejubelt wurde, verließen hinten Abgeordnete erbost den Saal.

Labour ist nicht plötzlich eine linkere Partei, sondern eine gespaltene. „Ich hoffe, er reicht allen Teilen der Partei die Hand“, sagt Ex-Parteichef Ed Miliband, der nach der haushoch verlorenen Unterhauswahl zurückgetreten war. Ins Schattenkabinett wolle er nicht.

Manche bezweifeln, dass Corbyn unter den Labour-Abgeordneten überhaupt genug Unterstützer findet, um die vordere Oppositionsbank im Parlament zu füllen. Die ersten Mitglieder des bisherigen Schattenkabinetts zogen sich bereits am Sonnabend zurück. Die Partei zusammenzuhalten, dürfte zur Mammutaufgabe werden.

Corbyn habe nie Verantwortung übernommen, sondern nur von ganz weit links quergeschossen, werfen seine Gegner ihm vor. Er werfe Labour in die 80er Jahre zurück. Das meint nicht nur Klassenkampf und Massenstreiks der Thatcher-Ära: Damals tobte innerhalb der Partei auch ein „Bürgerkrieg“. Die Krise hatte damit geendet, dass Tony Blair als Premierminister seinen wirtschaftsfreundlichen New-Labour-Kurs durchsetzte. Jetzt erhielt die Kandidatin aus der Blair-Schule, Liz Kendall, gerade mal 4,5 Prozent der Stimmen.

Eine „Corbynmania“ sei ausgebrochen, titelten die britischen Medien, als die Hallen zu klein wurden, wenn Corbyn auf der Bühne stand. Am besten kommt er an, wenn er gegen Sparpolitik wettert. Großbritanniens Wirtschaftszahlen sehen ordentlich aus nach der Bankenkrise, aber Millionen merken davon nichts im Geldbeutel.

Und so wurden der schmale, eher leise sprechende Politiker mit dem freundlichen Blick zum Hoffnungsträger für diejenigen, die Labour längst als blasse Version der (regierenden) Konservativen um Premier David Cameron abgeschrieben hatten. In Scharen hefteten sich junge, angeblich politikverdrossene Menschen Corbyn-Pins an die Pullover. „Er kommt rüber wie einer, der sagt, was er denkt, und nicht, was er für strategisch klug hält“, urteilt der Politologe John Curtis. Damit komme er sogar bei Wählern anderer Parteien an.

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