Erstaunlich rasch, erstaunlich geräuschlos haben sie sich geeinigt: Klaus Ernst, Gesine Lötzsch und eine deutlich veränderte Führungsmannschaft sollen es richten – als, sozusagen, letztes Aufgebot der Linken.
Die Fußstapfen Oskar Lafontaines sind groß, mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar zu groß für die beiden Parteichefs in spe. Sowohl Gesine Lötzsch als auch Klaus Ernst verfügen nicht annähernd über die rhetorische Kraft, die unbestrittene Autorität und jene Gabe zum Zuspitzen und Polarisieren, die Lafontaine als Chef der Linken auszeichneten.
Dass die Partei mit dem krankheitsbedingten Rückzug des Saarländers an Anziehungskraft verliert, kann niemand bestreiten. Der Zenit könnte bereits überschritten sein. Wie groß das Selbstzerfleischungs-Potenzial innerhalb der Linkspartei ist, haben die letzten Wochen bereits gezeigt.
Statt einen Wahlerfolg nach dem anderen einzufahren, werden sich die Genossen erst einmal verstärkt mit sich selbst zu beschäftigen haben. Sie müssen nachholen, wofür in den letzten Jahren Zeit, Kraft und Esprit fehlten: Ein Grundsatzprogramm verabschieden, die parteiinternen Dauerkonflikte befrieden und schließlich Perspektiven und Visionen entwickeln, die sich zweifelsfrei auch in Regierungsverantwortung umsetzen ließen.
Bleiben Lafontaines Erben auf Dauer ein Machtfaktor? Oder verschwinden sie schon bald wieder in der Bedeutungslosigkeit? Der Anfangselan scheint verflogen, von der einstigen Aufbruchstimmung ist auch nicht mehr allzu viel zu sehen. Vor dem neuen Führungsduo liegen jetzt die Mühen der Ebene.
Viel wird davon abhängen, welchen Kurs Ernst und Lötzsch gegenüber den Sozialdemokraten einschlagen, die ihrerseits ihr Verhältnis zu den Linken erst noch klären müssen. Allein auf Abgrenzung und Fundamentalopposition zu setzen – diese Strategie wird nicht aufgehen. Behält die Linke Lafontaines kompromisslose Linie bei, wird sie ohne wirkliche Machtperspektive im Bund bleiben und sich damit auf Dauer überflüssig machen.
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