Schortens/Jever - Frieslands Kreistag hat auf seiner Sitzung in Schortens mit großer Mehrheit dem Architekturwettbewerb zur geplanten Neubebauung des Geländes der ehemaligen Schule am Schlosserplatz in Jever zugestimmt. „Wir wollen gute Architektur. Die Kreisstadt ist es wert, dass wir für diese exponierten Stelle mit einem besonderes Verfahren einen besonderen Entwurf erhalten und anschließend gemeinsam den Sieger feiern“, sagte Landrat Sven Ambrosy im Bürgerhaus.
Unerwartete Diskussion
Der Grundsatzentscheidung zur Neubebauung des Schlosserplatzes gingen rund eineinhalb Jahre Diskussionen, Beratungen und Beschlussvorschläge voraus. Dennoch warf Axel Neugebauer (Wählergruppe „Zukunft Varel“) noch mal die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit der Neubebauung auf. Neugebauer befürchtet einen Automatismus, der durch den städtebaulichen Wettbewerb in Gang gesetzt werde, aus dem der Landkreis nur schwer wieder herauskomme, weil er dann bauen müsse. „Wir befinden uns auf einer Schussfahrt“, kritisierte der Vareler und forderte eine erneute Beratung. Seiner Meinung schlossen sich auch die Vertreter von FDP, SWG und BfB an.
Neugebauer konnte sich dafür seinerseits Kritik anhören: „Das Thema ist lang und breit diskutiert und beschlossen worden“, sagte Frank Vehoff (CDU). Ins gleiche Horn stieß Ulrike Schlieper (SPD): „Jetzt noch mal das ,ob‘ zu diskutieren, ist nicht gut. Wir liefern hier keine Provinzposse ab.“
Wie berichtet, soll das Gebäude der ehemaligen Schule am Schlosserplatz 3 in Jever nach dem Willen des Landkreises Friesland einem Verwaltungs-Neubau weichen. Dort sollen die Fachbereiche Soziales und Senioren, Gesundheit sowie Ordnung zusammengelegt werden.
Die Fachbereiche sind bisher an zwei Standorten in Jever untergebracht und beide Gebäude – das Gesundheitsamt an der Beethovenstraße wie auch der provisorisch für Verwaltungsaufgaben hergerichtete vordere Teil des einstigen Schulgebäudes am Schlosserplatz – sind sehr stark sanierungsbedürftig. Beide Gebäude sollen abgerissen werden.
Günstigerer Neubau
Der Sanierungsbedarf liegt Ambrosy zufolge bei rund drei Millionen Euro. Der Neubau würde den Kreis hingegen etwa 2,3 Millionen Euro kosten und wäre auch in den Unterhaltungskosten deutlich günstiger“, erläuterte Ambrosy abermals die Entscheidung für das vom Kreistag beschlossene Vorgehen. In die Entscheidung über die mögliche Bebauung wird auch die Stadt Jever eingebunden.
Bevor Kreistags-Vorsitzender Bernd Pauluschke in die umfangreiche Tagesordnung einstieg, eröffnete er die Sitzung mit einer Gedenkminute für die kürzlich im Alter von 49 Jahren verstorbene frühere Kreistagsabgeordnete Anja Kindo aus Schortens. Kindo gehörte dem friesländischen Kreistag 2006 bis 2011 für die Partei „Die Linke“ an. Pauluschke würdigte Kindo als „engagierte Interessensvertreterin für benachteiligte Menschen“.
