Die Pilotversuche machen Mut. Über 100 Schulen in Niedersachsen haben sich in Modellprojekte die stärkere Förderung eines jeden einzelnen Schülers auf die Fahnen geschrieben – und sammelten höchst positive Erfahrungen. Die landesweite Einführung dieses Programms durch Kultusminister Bernd Busemann ist nur konsequent.
Fördern und Fordern – das strengt an. Zweifellos. Lehrer wie Schüler. Die Pädagogen müssen aus ihrem knappen Zeitbudget nochmals einen Teil für die individuelle Betreuung ihrer Schützlinge reservieren. Hier steht Minister Busemann selbst in der Pflicht. Wo die Personaldecke in den Schulen nicht passt, kann Qualität nicht das Ergebnis sein.
Gutachten, individuelle Dokumentation der Fort- und manchmal sicher auch Rückschritte, Lernprogramme, Stundenabstimmung – der Aufwand ist groß. Er lohnt sich offenbar. Versuchsschulen berichten von deutlich gestiegenen Leistungen – und vor allem von viel mehr Freude bei den Schülern. Lernen auf dem passenden Niveau macht einfach mehr Spaß. Den Begabten wie den Langsameren.
Zu viele Kinder bleiben noch in der Schule auf der Strecke. Das beklagt einmal mehr die OECD-Studie zur Bildungssituation in Europa. Deutschland hat sich seit dem Pisa-Schock deutlich angestrengt. Doch belegen die größeren Erfolge anderer Nationen, dass es durchaus möglich ist, Rückstände und Defizite noch schneller abzubauen. Italien und die Schweiz machen es vor.
Deutschlands Schulen und Universitäten stehen in den nächsten Jahren vor riesigen Herausforderungen mit sinkenden Schüler- und erst einmal steigenden, dann wieder abnehmenden Studentenzahlen. In den Schulen besteht damit die große Chance – ganz im Sinne des niedersächsischen Kultusministers – frei werdende Kapazitäten für kleinere Klassen, die richtige Förderung von Schülern und für moderne Lerninhalte zu nutzen.
Dabei müssen jedoch alle mitziehen: Schüler, Lehrer und Eltern. Ein Ministererlass allein reicht nicht.
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