Der Niedersächsische Landtag hat eine Enquetekommission zum Ehrenamt eingesetzt. „Es darf nicht beim Lob in Sonntagsreden bleiben“, sagt Vorsitzende Petra Tiemann (SPD) aus dem Landkreis Stade.
Frau Tiemann, wo sind Sie ehrenamtlich tätig?
Tiemann Ich war 26 Jahre lang Übungsleiterin im Turnverein, war Damenleiterin im Schützenverein, war Trainerin von Mädchen-Fußballteams und habe bis heute kommunalpolitische Mandate – unter anderem in der Samtgemeinde Fredenbeck.
Was ist das Ziel der Enquete-Kommission Ehrenamt?
Tiemann Wir wollen, dass sich die Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche verbessern. Dazu gehört eine Analyse, warum es immer schwieriger wird, Ehrenamtliche zu finden. Vor allem junge Menschen wollen lieber Projektarbeit machen.
Vorstandsposten in Vereinen sind nicht gerade begehrt. Was kann man tun?
Tiemann Ohne der Arbeit der Kommission vorgreifen zu wollen: Wir müssen die Vereine von administrativen Aufgaben befreien. Anders wird es kaum gehen.
Wie sieht der Zeitplan der Kommission aus?
TiemannBis zum Frühjahr wollen wir den ersten Bericht vorlegen. Dort wird es ausschließlich um das kommunalpolitische Mandat gehen, weil im September 2021 Kommunalwahlen in Niedersachsen anstehen.
Die Spannbreite des Ehrenamts ist groß: Ist es realistisch vor dem Ende der Legislaturperiode 2022 einen Abschlussbericht vorzulegen?
Tiemann Ja, auch wenn der Zeitplan sehr ambitioniert ist. Die Kommission hat den Anspruch, dass die Ergebnisse ihrer Arbeit in politische Anträge münden werden.
Welche Ergebnisse erwarten Sie?
Tiemann Meine persönliche Meinung ist: Es darf nicht beim Lob des Ehrenamts in Sonntagsreden bleiben. Ich erwarte, dass das Ehrenamt bei Projekten konkret gefragt wird. Und diese Anregungen müssen dann umgesetzt werden.
