Oldenburg/Hannover - Eine kleine Wohnung in der Innenstadt hat sie gerade bezogen: „Ich bleibe jetzt noch öfter in Hannover“, sagt Hanna Naber. Die Oldenburger SPD-Landtagsabgeordnete ist neue Generalsekretärin ihrer Partei auf Landesebene. Der Landesvorstand berief die 49-jährige kommissarisch ins Amt, weil der für Oktober angesetzte SPD-Wahlparteitag wegen der Corona-Pandemie aufs Frühjahr verschoben wurde. Naber ist die erste Frau in diesem Amt. Zuvor war sie Schatzmeisterin der Landespartei.
Bitte von Ministerpräsident Stephan Weil
Doch wie bekommt man den Job als Generalsekretärin? „Das Vertrauensverhältnis zum Landesvorsitzenden ist enorm wichtig“, sagt sie. Der Vorsitzende heißt Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen. Er hat die Diplom-Pädagogin zu Beginn des Jahres, vor der Corona-Krise, gefragt. „Damit bin ich die wohl am längsten nominierte Generalsekretärin“, lacht Naber. Vorgänger im Amt war übrigens Alexander Saipa (Goslar), der Nachfolger von Landrat Thomas Brych werden will.
Naber, eine gebürtige Oldenburgerin, ist seit mehr als 30 Jahren in der SPD. Sie war bei den Jusos, Bildungsreferentin der sozialistischen Jugendorganisation „Die Falken“, ist im Vorstand des SPD-Unterbezirks Oldenburg-Stadt und im Bezirksvorstand Weser-Ems aktiv und war vier Jahre lang Schatzmeisterin auf Landesebene. „Meine Familie ist die Partei“, blickt sie auf das jahrzehntelange Engagement zurück. Vor allem von vielen Frauen habe sie positive Rückmeldungen zur Wahl bekommen.
Frauen in Führungspositionen sind Seltenheit
Im neuen Amt will sie das Thema „Beteiligung von Frauen“ stärker pushen. „In vielen Gemeinderäten ist der Frauenanteil erbärmlich“, sagt Naber. „Da gibt es großen Nachholbedarf; übrigens auch in meiner Partei.“ Und auch in Führungspositionen sei der Anteil der Frauen eher die Seltenheit.
Das sei schon so gewesen, als sie noch Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Bezirk Weser-Ems war. „Dabei waren zwei Drittel der Ehrenamtlichen Frauen, und auch die große Mehrheit der Hauptamtlichen.“ Naber denkt an Mentorenprogramme für Frauen und öffentlichkeitswirksame Aktionen. Ihr mittelfristiges Ziel: „Die Partei soll ein gutes Abbild sein der immer bunter werdenden Gesellschaft.“
Die SPD fit machen für Landtagswahlen
Als oberste Managerin der Landes-SPD steht die Oldenburgerin zunächst in der Pflicht, ihre Partei fit zu machen für die Wahlen in den nächsten zwei Jahren. Bundestagswahl und Kommunalwahl stehen 2021 an und zur Krönung die Landtagswahl Anfang 2022. Die neue Generalsekretärin will sich zunächst in den vier Bezirksverbänden vorstellen. Auch Einladungen aus den Unterbezirken, darunter dem Ammerland, liegen bereits vor. Alles werde sie kaum schaffen können, allein schon wegen Corona. Darum setzt Naber zunehmend auf digitale Formate, um die Bürger in Entscheidungsprozesse einzubinden. Hier müssten die SPD-Geschäftsstellen ihre Mitglieder und Delegierten unterstützen. Wie groß der Aufwand ist, sieht Naber bereits jetzt bei der Vorbereitung des Programmparteitags im November in Hannover. Hier können die Delegierten vor Ort sein, sich aber auch bei Livestream zuschalten. „Preiswerter wird ein digitaler Parteitag übrigens nicht“, hat die langjährige Schatzmeisterin beim Blick auf die ersten Rechnungen für die Technik schon erfahren müssen. Auch der Aufwand für die Vorbereitungen sei sehr groß.
Neues Ziel von Naber: Oldenburger Stadtrat
Naber, die in ihrer knappen Freizeit gerne Rad fährt oder wandert, ist auch im Niedersächsischen Landtag vielfach eingebunden. Sie ist Schriftführerin des Parlaments, Mitglied im Sozialausschuss sowie im Ausschuss für Wissenschaft und Kultur und arbeitet in den beiden Enquetekommissionen zur medizinischen Versorgung sowie zum Ehrenamt mit. Zur Landtagswahl 2022 würde sie gern wieder antreten. Doch schon bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr will sich Naber in Eversten auch in den Oldenburger Stadtrat wählen lassen. „Damit wären dann auch meine letzten freien Minuten belegt“, flachst sie über ihr Leben für die Politik
