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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Abschied vom „schönsten Beruf den es gibt“

07.03.2015

Neuharlingersiel Der Anfang war gut, die Zeit danach auch, doch nun ist es langsam genug. Manfred Göken (63) aus Neuharlingersiel (Kreis Wittmund) will seinen Posten am Steuer der „Antares“ bald aufgeben. Der Krabbenkutter soll in neue Hände kommen - und zwar in bewährte Hände, hofft Göken. Am liebsten wäre es ihm, wenn sein Decksmann Sascha Golob das Schiff übernähme.

„Das ist der schönste Beruf, den es gibt“, findet Göken, während er den Rumpf des Schiffes auf dem Helgen im Hafen von Dornumersiel inspiziert. 1967 geht der Friesenjunge erstmals an Bord eines Fangschiffes, 1979 macht er sich mit der „Antares“ selbstständig. „Früher konnten wir in Ruhe fischen, wir waren freie Menschen.“ Aber das hat sich seit gut 15 Jahren grundlegend verändert. „Die gesetzlichen Vorgaben sind streng, die EU-Vorgaben noch strenger, und in Deutschland werden diese besonders strikt umgesetzt“, ärgert sich der knorrige Seemann.

Nicht die tägliche Arbeit ist das Problem, auch nicht die Reparaturen am Schiff oder die fällige Ausbesserung der Ausrüstung jetzt im Winter. Die Bürokratie und andere Spaßbremsen verleiden Göken und vielen Kollegen die Lust an dem Traditionsberuf. „Dabei ist das ja für uns mehr Berufung als Beruf, allein die langen Arbeitszeiten an Bord sind nicht jedermanns Geschmack“, sagt Decksmann Golob.

Vorschriften wie das elektronische Logbuch, Debatten um die zwingende Einführung von sperrigen Überlebensanzügen oder die Diskussion um den Beifang, der mit den Krabben in den Netzen landet: Die Fischer kämpfen an vielen Fronten, so lautet auch am Freitag wieder die Botschaft beim Fischereitag in Neuharlingersiel. Die Reviere sind mit dem Bau von Offshore-Windparks kleiner geworden. Auch dort, wo sich Kabeltrassen von den Meereswindparks über Dutzende von Kilometern zum Festland ziehen, müssen die Fischernetze an Deck bleiben. Das alles schmälert den Verdienst ebenso wie schwankende Dieselkosten oder die unsichere Preisentwicklung bei den Fisch-Großhändlern.

„Das Jahr 2014 lief schlecht an bis zum Sommer, und dann gab es auf einmal genug Krabben“, wundert sich Göken. „Wo kamen die plötzlich her? Wir wissen es nicht. Das ist eben die Natur.“

Neues Ungemach droht von der EU, die deutsche Maßnahmen zur Beschränkung der Fischerei fordert. In der Kritik stehen immer wieder die großen Mengen Beifang in den Netzen und die Schäden am Meeresboden durch die schweren Fanggeschirre. Regionale Politiker wollen Verbote jedoch verhindern. Krabbenfischer gehörten schließlich zu Ostfriesland wie Deiche und Leuchttürme, das ist jedem Küstenbewohner klar.

So sieht das auch Manfred Göken: Heimathafen für seine „Antares“ soll nach dem Verkauf Neuharlingersiel bleiben. „Touristen lieben Krabbenkutter, aber erst recht, wenn die rein- und rausfahren. Wir wollen einen lebendigen Hafen behalten.“ Wenn er noch mal neu geboren würde - dann würde Göken wieder Fischer werden. Aber in Rente gehen will er trotzdem bald.

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