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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Ins Koma geprügelt – Ostfriese kämpft gegen Gewalt

11.04.2019

Aurich /Kassel Wenn Christoph Rickels lacht, hat er nicht zwangsläufig gute Laune. Er kann auch tieftraurig oder wütend sein. Das ungewollte Lachen ist die Folge einer verhängnisvollen Nacht, die das Leben des 32-Jährigen 2007 veränderte. Vor einer Disco in Aurich wurde der aus Ostfriesland stammende junge Mann damals niedergeschlagen – vom eifersüchtigen Freund eines Mädchens, dem Rickels ein Getränk spendiert hatte. Er knallte mit dem Kopf auf den Asphalt – und fiel ins Koma.

Der Täter bekam eine Bewährungsstrafe, Rickels leidet lebenslang. Er ist halbseitig spastisch gelähmt. Seine Muskeln hat er nur teilweise unter Kontrolle. Die Tat hat sein Leben nicht nur verändert, sie bestimmt es bis heute. Rickels kämpft seit Jahren mit den juristischen, finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Folgen. Aber sein Schicksal gab ihm auch eine Mission.

„Das einzige, was das Leben lebenswert macht, ist First Togetherness“, sagt der 32-Jährige. Das ist seine gemeinnützige Initiative, mit der er Menschen von psychischer und physischer Gewalt abhalten will. Für sein neues Projekt „40:40“ ist er von Friedeburg im Kreis Wittmund ins nordhessische Kassel gezogen. Hier will er in einem Jahr alle 40 Schulen im Landkreis besuchen und von seinem Schicksal berichten. „Es geht darum, in der Mitte Deutschlands einen Stein ins Wasser zu werfen“, sagt er. Gleichzeitig ist er aber auch bundesweit unterwegs, um seine Geschichte zu erzählen.

Zentral ist für ihn der Begriff „cool“. Denn „cool“ seien für Jugendliche oft die falschen Vorbilder: gemeine, abweisende oder einfach körperlich starke Menschen. „Cool“ könne aber auch ein gutes Miteinander sein. Es gehe darum, die Definition von „Coolness“ zu verändern.

Politiker haben Rickels’ Engagement gewürdigt, Prominente unterstützen ihn, er hat Urkunden und Preise bekommen. Abseits des Trubels ist der 32-Jährige allein: Es gebe nur einen Menschen, den er als Freund bezeichne, sagt Rickels. „Nach dem Koma waren alle im Krankenhaus und haben mir beim Schlafen zugesehen“, erklärt er: Als er danach Freunde brauchte, seien sie weg gewesen. Auch eine Beziehung sei schwierig: „Ich bin aus Angst, etwas falsch zu machen, übervorsichtig.“

Der 32-Jährige will weiter kämpfen. Sein Traum ist, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland Gewaltprävention zu machen. Als nächstes geht es in die Schweiz und nach Luxemburg.

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