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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Aussage von Högel erwartet

18.02.2015

Oldenburg /Delmenhorst Der Mordprozess gegen Ex-Krankenpfleger Niels Högel steht vor dem Abschluss. An diesem Donnerstag beginnen die Plädoyers. Zunächst sind Staatsanwaltschaft und Nebenklage dran. Eine Woche später soll die Verteidigung folgen. Dann könnte auch das Urteil gesprochen werden. Mit Spannung wird am möglicherweise vorletzten Prozesstag der Auftritt von Högel selbst erwartet. „Sind Sie zu einem späteren Zeitpunkt bereit, Fragen zu beantworten?“, hatte Richter Sebastian Bührmann den Angeklagten am vergangenen Donnerstag gefragt. Högels Antwort: „Ja.“

Der 38-Jährige hatte fast ein halbes Jahr eisern geschwiegen. Nach seinem Geständnis war ihm aber eine gewisse Erleichterung anzumerken. Möglicherweise will Högel jetzt reinen Tisch machen, vielleicht sein Strafmaß beeinflussen. Dass er nach Verbüßung einer langjährigen Haftstrafe irgendwann wieder auf freien Fuß kommt, gilt als wahrscheinlich, weil offenbar die Voraussetzungen für eine anschließende Sicherungsverwahrung fehlen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Högel dreifachen Mord und zweifachen Mordversuch an Patienten im Klinikum Delmenhorst vor. Der Ex-Pfleger soll sie mit einem Herzmedikament getötet haben. Bührmann hat bereits angedeutet, dass es „in Betracht kommt“, eine der Mordanklagen nach der Aussage eines Gutachters nur als Mordversuch zu werten.

Zudem soll eine Gesamtstrafe gebildet werden. Högel sitzt derzeit wegen Mordversuchs an einem Patienten in Delmenhorst eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe ab.

Lebenslang hieße bei einer Verurteilung allerdings nicht bis zum Tod. Ein Verurteilter kann die Aussetzung des Strafrestes nach Verbüßung von 15 Jahren Haft beantragen. Wenn das Gericht die „besondere Schwere der Schuld“ feststellt, ist das erst später möglich.

Nach einer Studie wird eine lebenslange Freiheitsstrafe in Deutschland durchschnittlich 22 Jahre lang vollstreckt. Selbst wenn Högel wegen Tötung von weiteren Patienten verurteilt würde, das Strafmaß könnte sich nicht erhöhen.


Ein Spezial unter   www.nwzonline.de/krankenpfleger-prozess 
Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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