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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Streit um Vogeljagd: Baltrumer wollen aus Nationalpark austreten

06.10.2018

Baltrum Wenige Tage vor dem Beginn der 10. Zugvogeltage verschärft sich der Streit um die Vogeljagd im Nationalpark Wattenmeer. Der Konflikt droht sich zu einer Auseinandersetzung zwischen Insulanern auf der einen und Festländern auf der anderen Seite zu entwickeln. Sogar die Minderheitenrechte der Friesen werden nun als Argument ins Feld geführt.

„Ich bin es leid, fremdbestimmt zu werden“, sagt Baltrums Ratsvorsitzender Jann Bengen (CDU) und meint damit längst nicht nur die „Umweltschützer auf dem Festland“, sondern auch die Landesregierung im fernen Hannover. Dass sich die immer mehr in sein Leben und das der anderen Inselbewohnern einmische, ist für ihn nicht länger hinnehmbar: „Wir wollen nicht mehr alle fünf Jahre einen Umweltminister von unserer Lebensweise überzeugen müssen.“

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Wie tief der Riss ist, der durchs Wattenmeer geht, zeigt die völlig unterschiedliche Einschätzung der aktuellen Situation. So sei die von Umweltschützern und Vogelkundlern gefeierte Ernennung des Wattenmeers zum Weltkulturerbe aus Sicht der Insulaner ein „unglücklicher Fall“ gewesen, sagt Bengen. Denn damit verbunden sei die Entwicklung der Insel in ein Wildnisgebiet mit 75 Prozent Nutzungsfreiheit – für ihn eine Horrorvorstellung: „Dann sehe ich gar keine Zukunft mehr für meine Familie“, sagt Bengen und verweist auf weitreichende Betretungsverbote, die schon heute die Bewegungsfreiheit der Inselbewohner einschränken.

Ziel ist der Austritt

Im Namen der Gruppe CDU/Baltrum21, die über fünf der acht Sitze im Gemeinderat verfügt, hat Bengen daher nun den Antrag eingebracht, mit der Insel aus dem Nationalpark Wattenmeer auszutreten und sie in einen weniger geschützten Naturpark umzuwandeln. Die Einordnung in die Schutzgebietskategorie Nationalpark sei für die bewohnten ostfriesischen Inseln von Anfang an ein Fehler gewesen, heißt es in der Begründung des Antrags.

Eine abwegige Idee, findet die Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Susanne Gerstner. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es viele Unterstützer für diesen Vorstoß gibt“, sagt sie und spricht von einer „Instrumentalisierung der Inselbewohner“. In Wirklichkeit handele es sich bei Bengen und seinen Mitstreitern doch nur um eine „Handvoll Freizeitjäger“, die nicht davon lassen wollen, eine international bedeutsame Vogelzugroute zum Abschießen von Zugvögeln zu missbrauchen.

Schleichender Verlust

Tatsächlich räumt auf Nachfrage auch Jann Bengen ein, dass es den Initiatoren des Antrages eigentlich vor allem um den schleichenden Verlust ihres Jagdrechts geht. „Ich möchte in meiner Heimat, in der meine Familie bereits seit ein paar Hundert Jahren lebt, jagen können“, sagt der Baltrumer, der sich von der niedersächsischen Landesregierung getäuscht fühlt. Bengen verweist auf einen im Jahr 2000 getroffenen Kompromiss, der den Jägern auf den Inseln die Beibehaltung des damaligen Zustands zugesichert habe. In Wahrheit aber hätten sich die Jagdpachtverträge immer weiter verschlechtert – was auch für den neuen Vertrag gelte, der zurzeit in Hannover für Streit zwischen den Ministerien sorgt. „Das Land hält sich nicht an seine Versprechen“, so der Vorwurf von Bengen.

Streit um die Jagdpachtverträge

Der Abschluss von langjährigen Pachtverträgen für eine ganze Reihe der ostfriesischen Inseln hatte in Hannover für Ärger zwischen den zuständigen Ministerien gesorgt.

Die neuen Verträge entsprechen nach Angaben des Umweltministeriums nicht einem zuvor vereinbarten Kompromiss zwischen dem Umwelt- und dem Landwirtschaftsministerium.

Das Umweltministerium und die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer pochen auf weitere Einschränkungen der Vogeljagd bei Neuabschluss von Verträgen.

Umstritten ist unter anderem die Frage, ob die Jagd auf die Waldschnepfe erlaubt bleiben soll. Auf der Insel Juist wurde sie vor zwei Jahren bei Neuabschluss des Vertrages verboten.

Naturschützer fordern bereits seit vielen Jahren ein Ende der Vogeljagd im Wattenmeer, da sie sich negativ auf die Millionen von Zugvögeln auswirke, die auf den Inseln Station machen.

Das freilich sieht Susanne Gerstner völlig anders. Das langfristige Ziel der Einrichtung eines Nationalparkes im Wattenmeer sei von Anfang an die Einstellung der Vogeljagd gewesen, sagt die BUND-Geschäftsführerin. Der Kompromiss habe in dem langen Zeitraum von 20 Jahren bestanden, der den Jägern seinerzeit von der Landesregierung eingeräumt wurde. Bei allem Verständnis für die individuellen Bedürfnisse der einheimischen Jäger sieht sie keine Alternative zum Jagdverzicht im gesamten Wattenmeer: „Es gibt ein gesellschaftliches Interesse, das schwerer wiegt.“

Damit freilich wollen sich Jann Bengen und seine Mitstreiter auf keinen Fall abfinden. Sie haben sich auf einen langen Weg eingestellt, an dessen Ende der Austritt aus dem Nationalpark Wattenmeer steht. „Wir fangen erst an“, sagt der Baltrumer, der bereit ist, notfalls auch den ganz großen Hammer herauszuholen: „Wenn alles nicht hilft, dann werden wir das Minderheitenrecht des friesischen Volksstammes einfordern.“

Jörg Jung Redakteur / Regionalredaktion
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