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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Corona-Pandemie in Niedersachsen: Holpriger Start in den ersten Impfzentren

02.02.2021

Hannover Trotz Lieferengpässen bei den Impfstoffen haben die ersten Corona-Impfzentren in Niedersachsen den Betrieb aufgenommen. Am Montag wurden unter anderem auf dem Messegelände in Hannover die ersten Spritzen gesetzt. „Das ist alles gut durchdacht hier“, lobte der 85 Jahre alte Siegfried Rohde die Organisation in Hannover. Er habe für seinen Termin nur rund eine halbe Stunde benötigt, die Impfung selbst sei „wie die Grippeschutzimpfung“ gewesen. Auf politischer Ebene wächst wegen der Impfstrategie allerdings der Druck auf Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD).

Holpriger Start in Niedersachsens Impfzentren wegen Lieferengpässen

Insgesamt gibt es in Niedersachsen 50 Impfzentren. In einigen Fällen verzögert sich ihr Start aber wegen der Lieferengpässe. Neue Termine konnten nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Freitag nicht angeboten werden. Tausende Senioren stehen schon auf der Warteliste. Anmelden können sich Frauen und Männer, die 80 Jahre und älter sind, telefonisch über die Hotline mit der Nummer 0800/9988665 oder online unter: impfportal-niedersachsen.de.

Das Impfzentrum auf dem Messegelände in Hannover hat eine Kapazität von anfangs 450 Impfungen am Tag. Wenn es verlässlich mehr Impfstoff gebe, seien aber auch mehrere Tausend Impfungen am Tag möglich, sagte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD). Er bezeichnete den Auftakt als „Licht am Ende eines Tunnels, der noch ganz schön lang sein wird“.

Sozialverband fordert Zuteilung der Impftermine per Post

Der Sozialverband (SoVD) forderte angesichts der Probleme, die Terminvergabe per Hotline und Internet einzustellen. Stattdessen sollten den Senioren feste Termine per Post mitgeteilt werden. „Besser ist es, das Ganze an die Kommunen abzugeben, die dann direkt Termine bei ihren Impfzentren machen“, sagte SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke.

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Martina Wenker, sprach sich dafür aus, die Schulen für einen gewissen Zeitraum komplett zu schließen. „Wir sollten jetzt konsequent handeln, da die Impfungen in Aussicht sind“, sagte die Lungenfachärztin. Der Kinder- und Jugendarzt Thomas Buck, Mitglied im ÄKN-Landesvorstand, warnte, 20 Prozent der Kinder könnten in ihrer Entwicklung abgehängt werden.

Kritik an Gesundheitsministerium

Die FDP hatte am Wochenende bereits einen Wechsel an der Spitze des Gesundheitsministeriums gefordert. Fraktionschef Stefan Birkner warf Ministerin Reimann „eine Reihe von einzelnen Versäumnissen“ vor, unter anderem bei den Infobriefen zu den Impfungen, die teils auch an Verstorbene gingen, und bei der Organisation der Terminvergabe.

Vize-Ministerpräsident Bernd Althusmann (CDU) schloss sich der Forderung nicht an, mahnte aber am Montag: „Wenn wir weiterhin erfolgreich durch die Krise kommen wollen, muss das besser organisiert sein.“ Es gebe „noch eine ganze Menge Luft nach oben“.

Bislang 196.000 Corona-Impfungen in Niedersachsen

Bisher wurden in Niedersachsen rund 196.000 Corona-Impfungen verabreicht, darunter sind knapp 45.000 Zweitimpfungen. Die Landesregierung macht für den langsamen Fortschritt der Impfungen ausstehende Lieferungen der Impfstoffproduzenten verantwortlich.

Ein anderer Verteilschlüssel könnte nach Berechnungen des Statistischen Landesamts helfen, die Risikogruppen schneller mit Impfungen zu versorgen. Statt den Impfstoff wie bisher entsprechend der Gesamtzahl der Bewohner in die Regionen zu geben, wäre eine Verteilung „entsprechend des Anteils der Bevölkerung im Alter ab 80 Jahren oder der Anteile der Pflegebedürftigen in Heimen“ wirksamer, heißt es in einer Mitteilung des Statistikamts vom Montag.

Profitieren würden davon vor allem Wilhelmshaven, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Südniedersachsen. Insbesondere die Kreise Cloppenburg und Vechta bekämen hingegen weniger Impfstoff als bisher.

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