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NWZonline.de Region

Ex-Werftchef nimmt vor Gericht Stolberg in Schutz

10.03.2016

Bremen /Oldenburg Als der Kostendruck in der Schiffbauindustrie immer größer wurde, erschien plötzlich China auf der maritimen Bühne. Unter Anleitung und mit Unterstützung europäischer Experten, so die Planung, sollte es gelingen, selbst komplizierte Spezialschiffe weit unter dem herkömmlichen Baupreis herzustellen.

Ein damaliger niederländischer Werftchef erläuterte am Mittwoch im Beluga-Prozess gegen Niels Stolberg vor dem Bremer Landgericht das Prinzip der Schiffsfinanzierung – ein Verfahren, von dem die beteiligten Banken angeblich nichts wussten.

HINTERGRUND-REPORTAGE: „Beluga – Spuren eines Untergangs“

Die Staatsanwaltschaft wirft Ex-Beluga-Chef Niels Stolberg vor, höhere Investitionsvolumen für Schiffsneubauten vorgetäuscht und so Banken zu höheren Darlehensvergabe gebracht zu haben.

Der Ablauf war vom Grundsatz her so: Reederei und europäische Werft suchten weltweit nach den günstigsten Baukosten, beispielsweise in China. Ziel war es, einen Baupreis zu realisieren, der deutlich unter dem gutachterlichen Marktwert des zu bauenden Schiffes lag. Die Differenz zwischen diesen Summen konnte beispielsweise mit überhöhten Rechnungen genutzt werden, um in dem komplizierten Vertragswerk zum Schiffsneubau einen höheren Eigenanteil der Reederei an den Gesamtkosten darzustellen.

Den Banken, so der Zeuge aus Groningen am Mittwoch, sei das ganze Verfahren sehr recht gewesen. Auf diese Weise hätten sie in ihren Papieren jeweils einen Fremdfinanzierungsanteil von lediglich 70 Prozent ausweisen können, gleichzeitig aber mehr mit entsprechenden Krediten verdienen können, weil die jeweils zurücküberwiesenen überhöhten Rechnungsbeträge dann wieder als neues Eigenkapital dienen konnten.

Der niederländische Werftchef nahm mit seiner Darstellung den jetzt in Oldenburg lebenden Ex-Reeder Niels Stolberg in Schutz, der nach diesem Verfahren zahlreiche Schiffe hat bauen lassen.

Der Zeuge aus Groningen widersprach der Darstellung von Mitarbeitern der Bremer Landesbank, die unterstrichen hatten, sie hätten dieses Finanzierungsmodell nicht gekannt. „Das wollen die Banken nicht gewusst haben?“, staunte der niederländische Zeuge: „Die waren doch jahrelang in der Schiffbaufinanzierung tätig.“

Für die juristische Bewertung der Frage ist es wichtig, ob der Eigenanteil für die Kreditgewährung erheblich war. Sollte es den Banken egal gewesen sein, wäre Stolbergs Vorgehen in dieser Frage nicht strafbar gewesen.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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