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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Deutschlandlied in Königsberg

23.05.2011

KöNIGSBERG (KALININGRAD) Kant und Bach – Guido Westerwelles erste Reise als Nur-noch-Außenminister führte ins ehemalige Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Symbolreich traf er dort seinen russischen und polnischen Amtskollegen

Zur Begrüßung wurde es feierlich. Als Guido Westerwelle den wiederaufgebauten Königsberger Dom betrat, erklang auf der riesigen Hauptorgel hinter der Prunkfassade mit goldenem Schnitzwerken und Posaunenengeln das Deutschlandlied. Intoniert wurden auch die russische und polnische Hymne zu Ehren der drei Außenminister, die sich erstmals in dieser Runde in der russischen Ostsee-Exklave trafen.

Dombaumeister Igor Odinzow führte Westerwelle und seine Begleitung durch das Kirchenschiff. Er präsentierte voll Stolz das musikalische Prachtstück mit fast 9000 Pfeifen, gruppiert in 90 Registern. Äußerlich ist die seit zwei Jahren fertige Orgel eine Kopie des Barock-Originals, das 1944 zusammen mit dem größten Teil der mächtigen Backstein-Kathedrale im Feuersturm eines britischen Bombenangriffs verglühte. Mit deutschen und russischen Spenden wurde der Neubau bei der Potsdamer Firma Schuke in Auftrag gegeben.

Von den Möglichkeiten des Instruments mit viel verstecktem Hightech zeigten sich die Zuhörer beeindruckt. Der 27-Jährige Domorganist Artjom Chatschaturow stimmte Bachs Präludium an. Neben Westerwelle lauschte besonders aufmerksam der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski, selbst begeisterter Hobby-Organist.

Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow, mit dem beide vorher mitunter ziemliche schwierige Gespräche geführt hatten, ließ sich bei dem Kirchgang entschuldigen. Am Mausoleum aus rotem Tuffstein an der Nordseite des Doms, dem Grab des großen Königsberger Philosophen Immanuel Kant, legten Westerwelle und Sikorski Blumengebinde nieder.

Dass das erste Treffen dieser Art überhaupt zustande kam, allein darin sahen die Teilnehmer schon einen Erfolg. Noch vor wenigen Jahren wäre dies schon wegen ständiger russisch-polnischer Anfeindungen kaum vorstellbar gewesen. Doch seit dem Tauwetter zwischen Moskau und Warschau nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine im russischen Smolensk vor gut einem Jahr hat sich manches gelockert.

Ziel der neuen Dreier-Konstellation, für die noch ein Name gesucht wird, ist es, Vertrauen aufzubauen, alte Gräben zu überwinden und konkrete Projekte anzustoßen. Kaliningrad könne aufgrund seiner Lage und Geschichte ein „Versuchslabor“ für diese Dreiecks-Diplomatie werden, lautet die Hoffnung der Außenminister.

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