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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Du kennst die Wahrheit“

18.12.2013

Hannover Liebes- und andere Beziehungen beendet man in Prominentenkreisen üblicherweise per SMS. Auch Christian Wulff, Ex-Bundespräsident und nach eigenen Angaben „unter großem, großem Druck“, kündigte seinem Vertrauten Olaf Glaeseker die Freundschaft zeitgemäß per Kurznachricht auf, und zwar am 4. Januar 2012 um 10.35 Uhr mit folgendem Satz: „Die Einbeziehung von mir ist absolut unnötig.“

Glaeseker, Wulffs Sprecher und Freund, sah das damals anders – und er sieht es heute noch anders. Deshalb findet sich der SMS-Verkehr nun in den dicken Beweismittelordnern zum Korruptionsverfahren 33 KLs 7/13.

Vor Gericht stehen Olaf Glaeseker und der Party-Manager Manfred Schmidt: Schmidt soll Glaeseker Gratis-Urlaube und Freiflüge bezahlt haben, damit der im Gegenzug Sponsoren für Schmidts Promi-Fete „Nord-Süd-Dialog“ wirbt.

Die SMS sollen belegen, dass Glaesekers Chef Wulff über die Urlaube informiert war – vor allem sollen sie aber auch zum Nachdenken über Glaesekers Freund Wulff anregen, der hier seinem Vertrauten den Beistand verweigert. Als Glaeseker wegen der Gratis-Urlaube unter Druck geriet und eine Stellungnahme schreiben sollte, hatte er Wulff gebeten, auch dessen Mitwisserschaft erwähnen zu dürfen. Wulff lehnte ab, „mir schadet es massiv“, fürchtete er.

Der dritte Sitzungstag im Glaeseker-Prozess am Dienstag war ein kurzer; Zeugen wurden nicht gehört, das Gericht führte lediglich einige Urkunden ein. Neben den SMS waren das vor allem Gesprächsnotizen und Aktenvermerke, die belegen sollen, dass die Regierungen von Niedersachsen und Baden-Württemberg „Türöffner“ bei der Sponsorensuche für den „Nord-Süd-Dialog“ spielen wollten und dass daraufhin auch in Baden-Württemberg Beamte aktiv daran mitwirkten – wenn auch mit deutlich weniger Erfolg als der niedersächsische Kollege Olaf Glaeseker.

Vor allem aber ging es um die Einbeziehung von Christian Wulff. Das Gericht verlas Einzelverbindungsnachweise von Glaesekers Mobiltelefon, der die Kontakte zum damaligen Ministerpräsidenten Wulff aus dem Urlaub bei Manfred Schmidt in Spanien dokumentieren soll und damit Wulffs Wissen von diesen Urlauben. Der Nachweis fiel mit 15 Verbindungen in vier Jahren allerdings kürzer aus als erwartet. Glaeseker erinnerte sich darauf hin, dass die Liste nur eine Richtung aufzeige, nämlich seine Anrufe bei Wulff und nicht die häufigeren Anrufe Wulffs bei ihm.

Beim Rausgehen zitierte er für die Journalisten dann noch aus dem Tagebuch seiner Frau Vera: „Knödel ruft an, Knödel ruft an, Knödel ruft an“. Knödel – so lautete der Spitzname Wulffs.

Der Prozess wird am 7. Januar fortgesetzt. Im Februar soll dann Wulff aussagen. „Du kennst die Wahrheit“, schrieb Glaeseker ihm damals per SMS.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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