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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Geschichte: Ein Fass mit unbekanntem Inhalt

22.01.2011

BERLIN Geheimdienstexperten erwarten „große Erkenntnisse“ von der bevorstehenden Aufklärung des Bundesnachrichtendienstes (BND). Präsident Ernst Uhrlau will einer Historikerkommission die Möglichkeit geben, die Amtszeit des geheimnisumwitterten Gründers des Auslandsnachrichtendienstes, Reinhard Gehlen, von 1945 bis 1968 zu durchleuchten.

Skandalchronik

Der Weltkriegs-General schreckte vor nichts zurück. Seine Devise lautete: „Der Dienst muss alles wissen, egal wie“. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wollte Gehlen einmal verhaften lassen, weil er ihn des Verrats verdächtigte. In bisherigen Untersuchungen stellte sich nach Aussage von Experten immer wieder heraus, dass auch die Frühgeschichte des BND in weiten Strecken eine „Chronique Scandaleuse“ war. Uhrlau, der aus Altersgründen Ende des Jahres aus dem Dienst scheiden wird, sagte vor wenigen Tagen: „Wir öffnen ein Fass, von dem wir nicht wissen, was drin ist“. Die Historiker sollen vier Jahre Zeit haben, die geheimen Akten „durchzuwühlen“, um dann ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen. Gehlen hatte im Zweiten Weltkrieg für Adolf Hitler mit der Wehrmachtsabteilung „Fremde Heere Ost“ Informationen über die sowjetische Armee gesammelt.

Nach Kriegsende hatte er alte Kameraden in der „Organisation Gehlen“ (ORG) um sich gesammelt, von denen viele vorher in der SS oder beim berüchtigten Reichssicherheitshauptamt, Zentrale des organisierten Völkermordes an den Juden, arbeiteten.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, begrüßte am Freitag die Entscheidung von Uhrlau, „die Entstehungs- und Frühgeschichte des BND sowie sein Personal- und Wirkungsprofil von 1945 bis 1968“ von Historikern aufarbeiten zu lassen. Wichtig sei jedoch, dass der BND genau prüft, welche Dokumente in die Publikation eingehen sollen und welche auch weiterhin geheim bleiben müssen. Die Sicherheitsinteressen Deutschlands müssten gewahrt bleiben.

Klaus Barbie ein BND-Agent

Erst jetzt stellte sich nach „Spiegel“-Informationen heraus, dass der als „Schlächter von Lyon“ berüchtigte NS-Verbrecher Klaus Barbie zeitweise Agent des BND war. Der seinerzeit unter falschem Namen in Südamerika lebende ehemalige SS-Offizier habe dem BND im Jahr 1966 zahlreiche Berichte aus Bolivien geliefert. Barbie war zwischen 1942 und 1944 Gestapo-Chef in Lyon. Seit 1951 lebte Barbie unter dem falschen Namen Klaus Altmann in Bolivien.

Die Historiker wollen ihre Untersuchungsarbeit neben den Bemühungen des BND im Kalten Krieg vor allem auf die NS-Verstrickungen des Geheimdienstes richten. Der einstige Leiter des US-Geheimdienstes OSS und spätere Mitbegründer der CIA, Allen Dulles, hatte nach Berichten bereits vor Ende des Krieges Verbindung zur deutschen Abwehr aufgenommen.

Die Amerikaner waren scharf auf die geheimen Netze, die der Nazi-Geheimdienst nach Osteuropa und in die Sowjetunion aufgebaut hatte.

Der CIA-Russland-Experte Harry Rositzke meinte mit Blick auf die Aufnahme vieler Nazis in den 1956 gegründeten BND: „Es war unbedingt notwendig, dass wir jeden Schweinehund verwendeten. Hauptsache, er war Antikommunist“.

Trotz mancher Erfolge der BND-Arbeit setzte sich die Skandal-Chronik in der späteren Geschichte des Dienstes unter seinen verschiedenen Präsidenten mit zahlreichen Affären fort.

„Dilettantenverein“

Über die Ablösung des durch etliche Pannen gezeichneten Uhrlau wurde oft spekuliert. Er hatte als zehnter BND-Präsident am 1. Dezember 2005 sein Amt angetreten. Als einer seiner schwersten Fehler wird Uhrlau die Bespitzelung von kritischen Journalisten und die Einsetzung von Spitzeln in der Medienbranche vorgehalten. Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat den BND gern als „ausgesprochenen Dilettantenverein“ bezeichnet.

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