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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Ein nächtlicher Anruf in der Landesvertretung

05.03.2014

Hannover Manfred Schmidt wollte immer der Erste sein. Also klingelte das Mobiltelefon von Vera Glaeseker wieder pünktlich um 0.01 Uhr, diesmal erwischte Schmidt sie in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Aber er kam zu spät: Glaesekers Freundin Alexandra B. war schneller, sie hatte dem Geburtstagskind bereits mit einem Glas Sekt zugeprostet.

Fünf Jahre später sitzt Alexandra B. (32) als Zeugin in Saal 127 des Landgerichts Hannover und betont: „Die Getränke hatte ich selbst mitgebracht, ich habe mich nicht durchgeschnorrt!“ Da lacht Richterin Renata Bürgel.

Es steht ja nicht Alexandra B. unter Verdacht – aber es geht in Hannover mal wieder um die Frage: Wer bezahlte was für wen – und vor allem: warum? Bürgel will herausfinden: Hat sich Olaf Glaeseker, Ehemann von Vera Glaeseker und Ex-Sprecher von Christian Wulff, vom Party-Manager Manfred Schmidt bestechen lassen? Hat Schmidt Glaeseker zu Gratis-Ferien in seine Häuser am Mittelmeer eingeladen, damit Glaeseker im Gegenzug Sponsoren für Schmidts Promi-Fete „Nord-Süd-Dialog“ wirbt? Antworten soll heute der nächtliche Geburtstagsanruf geben.

Denn während Vera Glaeseker noch mit Schmidt telefonierte, stießen ihr Mann Olaf und der damalige Ministerpräsident Wulff zu der Geburtstagsrunde. Olaf Glaeseker nahm das Telefon und sprach mit Schmidt über einen bevorstehenden Urlaub bei Schmidt. Wulff machte Scherze: „Regierungssprecher von Niedersachsen müsste man sein, da hat man so viel Urlaub.“ Er wünschte „viel Spaß“ und „viele Grüße“.

So erinnert sich Alexandra B., und sagen will sie damit: Glaesekers Dienstherr Wulff wusste von den Urlauben seines Sprechers bei Schmidt. Ist es noch Bestechung, wenn der Chef informiert war? Wulff war Schirmherr des „Nord-Süd-Dialogs“.

Und noch eine Frage: Wie wertvoll war dieser Urlaub überhaupt, der in manchen Schlagzeilen mit „Luxus“ überschrieben wurde?

Alexandra B., die schon da war, empfand das Haus „wie eine große Jugendherberge“. Den zweiten Zeugen an diesem Dienstag, Norbert J. (62), der ebenfalls schon dort war, erinnerte es an eine „Studenten-WG“: Morgens kam immer jemand aus der Dusche und rief: „Bad ist frei!“

Schmidt hatte J., einen selbstständigen Berater aus Stuttgart, 2008 und 2009 mit der Sponsorensuche für den „Nord-Süd-Dialog“ in Baden-Württemberg beauftragt. In Niedersachsen gab es einen solchen freiberuflichen Sponsorensucher nicht. Brauchte Schmidt so jemanden nicht, weil er Glaeseker hatte? Der Zeuge J. gibt eine schlichtere Antwort: Schmidt, ein Niedersachse, war in Niedersachsen einfach besser vernetzt als in Baden-Württemberg.

In zähen 130 Minuten berichtet J. von arbeitsreichen Tagen in Frankreich, mit Gesprächen zum „Nord-Süd-Dialog“ morgens, mittags, abends, zum Teil im Beisein von Glaeseker. Welchen Anteil Glaeseker oder seine Sprecher-Kollegen in Baden-Württemberg an der Sponsorenwerbung hatten, bleibt indes offen – J. wirkt vor allem bemüht, seine Bezahlung zu rechtfertigen. 32 000 Euro netto kassierte er für seine Arbeit, bezahlt habe Schmidt wie immer „zügig“.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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