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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Eine „verstörende“ SMS vom Chef

14.12.2013

Hannover Er sei sein „siamesischer Zwilling“ und sein „Alter Ego“, sagte Christian Wulff gern über Olaf Glaeseker: „Wenn Sie ihn nicht in meiner Nähe sehen, müssen Sie sich Sorgen machen.“ Glaesekers Job nannte sich „Regierungssprecher“, vor allem aber war er: Wulffs Kümmerer.

Im Juli 2007 kümmerte er sich um Wulffs Frau Christiane und Tochter Annalena, er nahm sie mit auf die Finca eines Freundes nach Spanien. „Es war das erste Jahr der Ehekrise“, sagt Glaeseker, Annalena litt unter der Trennung, sie war in der Schule abgefallen, sie musste „einmal raus“. Glaeseker legte seinen Urlaub eigens in die Schulferien.

Der Freund mit der Finca sitzt jetzt drei Stühle links von Glaeseker in Saal 127 des Landgerichts Hannover. Manfred Schmidt, ein Eventmanager, soll Glaeseker mit Gratis-Urlauben und Freiflügen bestochen haben. Als Gegenleistung soll Glaeseker um Sponsoren für Schmidts Promi-Veranstaltung „Nord-Süd-Dialog“ geworben haben

Es ist Tag 2 im Korruptionsprozess gegen Wulffs ehemaligen Sprecher. Die Übertragungswagen draußen sind verschwunden, die meisten Presseplätze im Saal bleiben frei. Ein Ex-Präsidentensprecher ist nicht so spannend wie der Ex-Präsident selbst – obwohl er Spannendes über seinen Ex-Chef zu erzählen weiß.

Da war zum Beispiel diese SMS. Als Glaeseker 2010 wegen der Schmidt-Urlaube in die Kritik geriet und eine Stellungnahme abgeben sollte, fragte er Wulff, ob er schreiben dürfe, dass Wulff ja von der Freundschaft zu Schmidt und den Urlauben gewusst habe. Die Antwort, so Glaeseker, sei „verstörend“ gewesen.

„Dir hilft es nicht, und mir schadet es massiv“, schrieb Wulff; er stehe unter, „großem Druck“. Im Übrigen sei er davon ausgegangen, „dass Du bezahlst. Und auch Christiane zahlt.“ Glaeseker wunderte sich: „Ich habe Christian Wulff als denjenigen kennengelernt, der, wenn er Freunde besuchte, nie bezahlt hat!“

Glaesekers Verteidigungsstrategie ist einfach. Erstens: Freunde bezahlen sich nicht. Schmidt sei ein enger Freund gewesen, Beweis 1: „Es kam durchaus vor, dass man auf der Finca Herrn Schmidt in Unterhosen begegnete. Oder auch nackt.“

Zweitens: Dienstherr Wulff wusste über die Freundschaft und Reisen Bescheid, Beweis 2: „Wie war’s bei Manfred?“, fragte Ministerpräsident Wulff, als Glaeseker ihm nach einem Urlaub seinen neuen Stellvertreter vorstellte. „Who the fuck is Manfred?“, fragte der Stellvertreter anschließend. Na, Schmidt, der vom „Nord-Süd-Dialog“! „Ach, d e r   Manfred!“

Wacker bemühen sich Gericht und Staatsanwalt, die Vorgänge zu rekonstruieren. Es fällt ihnen spürbar schwer, das „kreative Chaos“ des gelernten Journalisten Glaeseker zu verstehen, sein aktenfreies Büro (Glaeseker: „Ich hatte alles im Kopf“). Oder sein Arbeiten ohne Dienstanweisung („Ich wusste blind, was Wulff wollte“). Und hier wird es brenzlig für Glaeseker: Die Urlaube und die Sponsorensuche sind leicht nachweisbar – schwierig nachzuweisen aber ist, dass er „im Interesse des Landes“ gehandelt hat.

In der SMS von 2010 schlug Wulff vor, später noch einmal über die Sache zu sprechen, „wenn klar ist, ob ich noch im Amt bin“. Glaeseker hat das Angebot abgelehnt, er hat kein Interesse mehr an Treffen mit dem siamesischen Zwilling. Den Eventmanager Manfred Schmidt hingegen besucht er heute noch, sagt er.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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