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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Event des Ministerpräsidenten“

29.01.2014

Hannover Im hautnahen Sittengemälde aus der niedersächsischen Staatskanzlei kommt manches bekannt und manches zum Schmunzeln daher. Für den hohen Wahrheitsgehalt verbürgen sich die beiden Zeuginnen im Bestechungsprozess gegen Ex-Regierungssprecher Olaf Glaeseker: eine ehemalige Referatsleiterin und die Leiterin des persönlichen Büros des früheren Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Es menschelte, auch an den höchsten Stellen in der Landesregierung – zu Zeiten von Gerhard Schröder (SPD) und von Wulff.

Natürlich geht es um schwere Vorwürfe an diesem Dienstagvormittag im Landgericht Hannover. Glaeseker steht wegen Bestechlichkeit vor Gericht. Wulffs Ex-Sprecher soll dem mitangeklagten Party-Manager Manfred Schmidt in den Jahren 2007 und 2009 Sponsoren besorgt haben, damit zwei sündhaft teure Promi-Feten („Nord-Süd-Dialog“) mit Baden-Württemberg in Hannover finanziell gestemmt werden konnten. Schmidt soll Glaeseker mit Gratisreisen für die Sponsorensuche gedankt haben.

Alles ohne Kenntnis des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff? Unmöglich. Da ist sich die ehemalige Referatsleiterin in der Staatskanzlei sicher. Glaeseker habe bei der Sponsorensuche für die Partys einzig auf Wulffs Wunsch gehandelt. Der spätere Bundespräsident habe nicht nur von Glaesekers umstrittener Suche nach Geldgebern gewusst, Wulff habe das Engagement sogar erwartet. „Der Nord-Süd-Dialog musste ein Erfolg werden. Der Ministerpräsident wollte das so“, betont die heute 62-Jährige. „Uns wurde vermittelt: Das ist ein Event des Ministerpräsidenten“, erinnert sich die Ex-Beamtin. Wulffs Ziel sei es gewesen, Niedersachsen aus der „Provinzialität“ herauszuholen.

Mit allen Konsequenzen. Als es mit dem Veranstaltungsort Flughafen 2009 haperte, intervenierten Glaeseker und Staatskanzleichef Lothar Hagebölling zugunsten des Party-Managers Manfred Schmidt, der die Riesensause eigentlich privat organisieren und finanzieren wollte – mit Sponsorenhilfe. Als Sponsoren fehlten, warf sich Glaeseker ins Zeug. Glaeseker und Hagebölling – „sie haben nichts gemacht, was Wulff nicht wollte“, beteuert die Ex-Referatsleiterin: „Herr Wulff war der Chef im Ring – und Glaeseker der Diener seines Herrn“. Das Verhältnis Wulff-Glaeseker sei „das engste in der ganzen Staatskanzlei gewesen“.

Zu früheren Zeiten herrschten offenbar rauere Verhältnisse in der niedersächsischen Machtzentrale, gibt die Ex-Mitarbeiterin einen Einblick in ihren Schatz an Erinnerungen, der bis in die Albrecht-Ära reicht. Als die SPD den Ministerpräsidenten (Gerhard Schröder) und den Staatskanzleichef (Frank-Walter Steinmeier) stellte, sah die Welt anders aus. „Wulff war im Gegensatz zu seinem Vorgänger Schröder nicht offen, wen er schätzt und wen er nicht schätzt. Schröder machte daraus kein Geheimnis“, erzählt die 62-Jährige: Im Verhältnis zu Hagebölling sei Steinmeier „deutlich selbstbewusster gewesen. Er sagte schon mal zum Ministerpräsidenten: Gerd, das ist meine Angelegenheit! oder: Gerd, was hast Du denn da gemacht!?“

Das sei beim „Kontrollfreak“ Wulff schlicht unmöglich gewesen.

Gunars Reichenbachs
Chefkorrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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