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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Ex-Sprecher Glaeseker mit schlechtem Gedächtnis

23.01.2014

Hannover Es war der letzte Trumpf der Staatsanwaltschaft: Olaf Glaeseker, einst der engste Vertraute von Christian Wulff, sollte im Prozess gegen den ehemaligen Bundespräsidenten vor Gericht aussagen. Draußen hatten sich wieder die Fernsehteams aufgebaut, drinnen waren alle Zuschauerplätze besetzt - aber Spektakuläres gab es dann doch nicht zu hören. „Ich habe keine konkreten Erinnerungen“ - das war der meistgesagte Satz von Glaeseker.

Setzte sich Wulff als Ministerpräsident von Niedersachsen für den Film „John Rabe“ ein, weil ihn der Filmproduzent David Groenwold im September 2008 zum Münchner Oktoberfest eingeladen hatte? Auf diese Frage konnte auch Glaeseker, damals Regierungssprecher in Hannover, keine Antwort geben. „Ich weiß davon gar nichts“, erklärte der 52-Jährige. „Nach meiner Erinnerung habe ich in der Staatskanzlei über das Thema ,John Rabe’ nicht gesprochen.“ Auch zum Oktoberfest und dem dazugehörigen Luxushotel-Aufenthalt in München konnte Glaeseker nichts sagen: Er habe zwar ebenfalls ursprünglich nach München fahren wollen, sei dann aber kurzfristig erkrankt.

Bestätigen konnte er aber, ganz im Sinne der Verteidigung, dass Groenewold und Wulff eng befreundet seien. Auch Glaeseker ist nach eigenen Aussagen mit dem Filmproduzenten befreundet.

Glaeseker, ein gebürtiger Oldenburger, steht ebenfalls wegen Korruption in Hannover Gericht. Am 10. Februar soll sein ehemaliger Chef Christian Wulff im Glaeseker-Prozess als Zeuge aussagen. Weil sich Wulff im Vorfeld bei der Staatsanwalt belastend über Glaeseker geäußert hatte, rechneten Prozessbeobachter mit einer möglichen Retourkutsche. Doch dazu kam es nicht.

Richter Frank Rosenow kündigte nach der Glaeseker-Vernehmung an, dass er die Beweisaufnahme beim nächsten Termin am 6. Februar schließen wolle. Nach Rosenows neuem Fahrplan sollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung nun am 20. Februar ihre Plädoyers halten. Noch im Februar, nämlich am 27., könnte dann auch ein Urteil gesprochen werden.

Die Zeichen stehen dabei auf Freispruch. Richter Rosenow hatte bereits mehrfach erkennen lassen, dass er keine Belege dafür sieht, dass bei Wulff eine Vorteilsannahme und beim ebenfalls angeklagten Groenewold eine Vorteilsgewährung vorliegt.

An dieser Haltung hat offenbar auch die Aussage von Groenewolds Sekretärin nichts geändert, die am Mittwoch vor Glaeseker in den Zeugenstand trat. Die 63-Jährige beteuerte, im Auftrag von Groenewold ein unmittelbar nach dem Oktoberfestbesuch verfasstes Bittschreiben an Wulff verfasst und abgeschickt zu haben. In Groenewolds Firma Odeon Film habe es damals große Aufregung gegeben wegen einer wirtschaftlichen Schieflage, die der teure Film „John Rabe“ ausgelöst habe, sagte die Sekretärin. In der E-Mail, die dem Gericht als Entwurf vorliegt, forderte der Filmproduzent den Ministerpräsidenten auf, sich bei der Siemens AG für eine Förderung des Films „John Rabe“ stark zu machen. Einige Monate später warb Wulff dann tatsächlich bei Siemens-Vorstandschef Peter Löscher um Unterstützung.

Ob die E-Mail von Groenewold allerdings jemals bei Wulff ankam, ist umstritten - es gibt keine Belege in Postein- oder -ausgangskörben. Die Verteidigung behauptet, es sei beim Entwurf geblieben. Die Sekretärin besteht unterdessen darauf, das Schreiben abgeschickt zu haben. „Das war eine so wichtige Sache, der (Groenewold) hätte mir den Kopf abgerissen!“

Eine ausführliche Reportage über das Wiedersehen von Wulff und Glaeseker lesen Sie am Donnerstag in der NWZ und auf NWZonline.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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Staatsanwaltschaft Hannover | Siemens AG | Siemens | NWZ

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