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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Serbien: Extremisten sorgen für Randale

31.05.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-31T09:38:39Z 280 158

Serbien:
Extremisten sorgen für Randale

BELGRAD Das serbische Innenministerium war sich ganz sicher. Vorne weg bei den Randalierern marschierten am Sonntagabend in Belgrad die Angehörigen der „Serbischen Nationalbewegung 1389“ gegen die Polizei.

Die stets auf Radau und Randale gebürsteten Extremen unter den Extremisten wurden begleitet von Mitgliedern der „Vaterländischen Bewegung Obraz (Ehrgefühl)“. Deren Anführer Mladen Obradovic schwang das große Wort, obwohl er eigentlich für die Verwüstung der Innenstadt nach der ersten Homosexuellen-Parade im vergangenen Oktober für zwei Jahre hinter Gittern verschwinden sollte.

Auch Geistliche dabei

Die Randalierer sind meist junge Leute, drei Dutzend der 180 Festgenommenen sind noch minderjährig. Und wie immer ist es eine schwer zu definierende Gemengelage: Frust über berufliche Ausweglosigkeit, soziale Not, Enttäuschung über die Politik, griffige nationalistische Floskeln und Orientierung an charismatischen „Führern“.

Alkohol spielt eine Rolle und die Kirche, die auch diesmal wieder mit einigen Geistlichen mit von der Partie war. Als „Dampf ablassen“ beschönigen das die jungen Krawallmacher. Die Demonstration für den mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic war da ein willkommener Anlass.

Im Oktober vergangenen Jahres war es der erste Umzug von Schwulen und Lesben in Belgrad. Die Polizei musste Tausende Mitglieder ihrer Spezialeinheiten bereitstellen, um Übergriffe der Extremisten auf das bunte Völkchen wie im Jahr zuvor zu verhindern. Doch trotz massiven Polizeieinsatzes wurde einmal mehr das Zentrum verwüstet. Autobusse wurden umgeworfen, Geschäfte geplündert und Müllcontainer angesteckt.

Am 21. Februar 2008 konnte sich die radikale Szene unter Duldung der Regierung sogar richtig austoben. Im Anschluss an eine von der Regierung organisierte Demonstration gegen die Selbstständigkeit der abgefallenen Provinz Kosovo plünderten und brandschatzten Hunderte Extremisten vor allem ausländische Geschäfte.

Geheimdienst beteiligt

Dann griffen sie die nicht bewachten Botschaften an. Die US-Botschaft brannte ebenso lichterloh wie die daneben liegende Botschaft Kroatiens. Auch die deutsche und die türkische Vertretung wurden attackiert.

Auch wenn die damalige Gewalt nie aufgeklärt wurde, war schnell klar, dass sie von „ganz oben“ gewollt war, um dem Ausland die angebliche Wut der Bürger vor Augen zu führen. Es gab starke Hinweise, dass die blinde Gewalt von Geheimdienstleuten kanalisiert wurde. Erst nach Stunden und nach Intervention von Washington machte die Polizei dem Spuk ein Ende.

Dunkelstes Kapitel

Der Rektor der Belgrader Universität, Branko Kovacevic, hat am Montag in der Zeitung „Press“ auf die Perspektivlosigkeit der jungen Menschen hingewiesen. Zwei Drittel der Studenten wollten nach dem Abschluss ihrer Heimat den Rücken kehren, weil sie hier keine Chancen sähen. „Sie fordern nur ein normales Leben und dass sie keine Sozialfälle werden“, sagte der Rektor. Die Mehrheit der Beschäftigten arbeitet nach seiner Beobachtung in der Staatsverwaltung, wo man nur als Mitglied einer Partei eine Chance habe.

„Nichts hat sich verändert seit den Zeiten von Slobodan Milosevic“, klagt der Wissenschaftler. Die Zeit des vor fünf Jahren im UN-Kriegsverbrechertribunal an Herzinfarkt gestorbenen Autokraten gilt als das dunkelste Kapitel in der serbischen Geschichte.