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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Größter Wunsch noch unerfüllt

08.09.2011

RASTEDE Dieter Decker wirkt gelassen. Der Bürgermeister sitzt in seinem Büro im ersten Stock des Rasteder Rathauses im Landkreis Ammerland. Noch bis zum 31. Oktober führt er hier die Amtsgeschäfte. Dann übernimmt sein Nachfolger den Chefsessel an der Sophienstraße.

Zwei Kandidaten, Dieter von Essen (CDU) und Rüdiger Kramer (SPD), kandidieren am kommenden Sonntag bei der Kommunalwahl um das Bürgermeisteramt. Wer von den beiden die Abstimmung auch gewinnen wird, Decker hinterlässt seinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld.

Die Gemeinde ist schuldenfrei, die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 4,8 Prozent, und in die Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren viel Geld geflossen. Es sind wohl all diese Dinge zusammen, die Decker nun ganz entspannt in die Zukunft blicken lassen.

„Es war eine sehr erfolgreiche Zeit“, sagt der 65-Jährige und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Er meint damit nicht nur die acht Jahre als hauptamtlicher Bürgermeister, sondern die insgesamt knapp 40 Jahre kommunalpolitischer Arbeit, die in Kürze hinter ihm liegen.

Am Anfang dieser Zeitspanne steht der Wille, etwas verändern, etwas bewegen zu wollen. Schon damals, Anfang der 1970er Jahre, wird eine Zielstrebigkeit erkennbar, die Decker bis heute prägt und bestimmend für seine Arbeit ist.

Das nötige Durchsetzungsvermögen eignet er sich wohl schon in jungen Jahren an. 1946 wird Decker in der Bauerschaft Delfshausen geboren. Er wächst mit acht Geschwistern in einem mittelständisch geprägten, aber unpolitischen Elternhaus auf. Sein Vater führt einen Zimmereibetrieb.

Die Familie zieht 1953 nach Rastede um. Dort macht Decker den Realschulabschluss. „Ich hatte damals schon ein lockeres Mundwerk und man riet mir, Auktionator zu werden“, erinnert er sich. In Wiefelstede nimmt er daraufhin bei einem Auktionatorbüro eine Lehre zum Makler und Rechtsbeistand auf.

Nach der Bundeswehrzeit, wo er sich als Mannschaftssprecher bereits für die Interessen anderer einsetzt, wird Decker Leiter einer neuen Sparkassen-Geschäftsstelle in Wahnbek. Die nötige Ausbildung holt er nach. „Als ich dort anfing, hatten wir 68 Kunden. 1994, als ich dort aufhörte, waren es 5000“, sagt er.

In Wahnbek, wo Decker heute auch lebt, fällt er 1971 die Entscheidung, in die Kommunalpolitik zu gehen. „Auf einer Bürgerversammlung sagte der damalige Gemeindedirektor Konrad Ullrich, Wahnbek solle bis zum Jahr 2000 auf nicht mehr als 2000 Einwohner wachsen“, schildert Decker, der damals gerade 25 Jahre alt ist. „2000 Einwohner: Das reicht nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Dann bekommen wir keinen Arzt, keine Apotheke und keinen Kaufmann“, argumentiert Decker in der Bürgerversammlung. Ullrich empfiehlt ihm deshalb: „Wenn Sie das ändern wollen, kandidieren Sie doch für den Gemeinderat.“

Er folgt dem Ratschlag, wird von der CDU aufgestellt und zieht 1972 sowohl in den Gemeinderat als auch in den Kreistag ein. „Von 1972 bis 1991 war ich das jüngste Kreistagsmitglied“, erinnert sich Decker, der dem Gremium bis zum Jahr 2003 angehört, seit 1996 auch als Fraktionsvorsitzender.

1976 wird die CDU in Rastede stärkste Fraktion, Decker zweiter stellvertretender Bürgermeister und kurz darauf zudem Fraktionsvorsitzender. 1990 wird er schließlich zum Bürgermeister gewählt.

Vier Jahre später entschließt sich Decker, für den Landtag zu kandidieren. Er tritt in einem Riesen-Wahlkreis, zu dem sechs Gemeinden aus drei Landkreisen gehören, gegen Karl-Heinz Funke (SPD) an. Decker ist erfolgreich, zieht in das Parlament in Hannover ein und gehört ihm bis 2003 an. Er wird wohnungspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion und arbeitet im engeren Kreis von Ministerpräsident Christian Wulff mit.

„2001 wurde ich gefragt, ob ich ab 2003 als hauptamtlicher Bürgermeister für Rastede zur Verfügung stehen würde“, schildert Decker und ergänzt: „Meine Verbundenheit zu Rastede war mir immer sehr wichtig und ich dachte, die Chance, die Gemeinde als hauptamtlicher Bürgermeister unmittelbar zu gestalten, bekomme ich nie wieder.“

Diese Chance nutzt er: Die Gemeinde kauft in seiner Amtszeit den Turnierplatz („Das war für Rastede eine historische Entscheidung.“) an, baut ein neues Kinderbetreuungszentrum im Hauptort und investiert darüber hinaus weiteres Geld in die Entwicklung.

Eines der Hauptaugenmerke Deckers gilt der wirtschaftlichen Situation der Gemeinde, die heute auf zukunftsfähigen Füßen steht. „Das Grundgerüst ist so gut, dass wir nicht so leicht umzuschubsen sind“, sagt Decker.

Ein persönlicher Höhepunkt seiner Amtszeit ist der Flug des Rasteder Astronauten Thomas Reiter ins Weltall. Beim Start am 4. Juli 2006 in Cape Canaveral ist der Bürgermeister live dabei. „Das war ein phänomenales Erlebnis“, schwärmt Decker noch heute und schaut an die Wand seines Büros. Dort, gegenüber seines Schreibtisches, hängen eingerahmt Fotos und Zeitungsausschnitte von Reiters Besuch im All – natürlich mit einer Flagge aus Rastede.

Ende Oktober muss Decker dieses Büro im Rathaus nun verlassen. Vor seinem Abschied würde er gerne noch einen großen Wunsch in Erfüllung gehen sehen: „Wir möchten der Marke ,Residenzort‘ ein passendes Gesicht geben und deshalb gerne das Palais kaufen. Das würde wunderschön passen“, sagt Decker.

Ein anderer Wunsch dürfte im Ruhestand derweil recht rasch verwirklicht werden. Besonders freue er sich nämlich darauf, nicht mehr ausschließlich nach dem Terminkalender leben zu müssen.

„Ich habe das Glück, im Oktober Opa zu werden“, verrät er. Außerdem wolle er all das machen, worauf er in den vergangenen Jahrzehnten verzichten musste. „Ich möchte viele Reisen unternehmen und habe Lust, mich zu Hause handwerklich zu betätigen“, sagt Decker und fügt an: „Das kenne ich schließlich noch aus meinem Elternhaus.“

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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