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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Gymnasiallehrer müssen auch im zweiten Halbjahr einspringen

01.02.2018

Hannover Wegen des akuten Lehrermangels an Niedersachsens Grundschulen müssen auch im zweiten Schulhalbjahr zahlreiche Gymnasiallehrer einspringen. Eltern und Lehrer befürchten deshalb massiven Unterrichtsausfall an den Gymnasien. „Ja, es ist durchaus mit einem erheblichen Ausmaß von Abordnungen an Grundschulen zu rechnen“, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Mittwoch. Nach Zahlen der Bertelsmann-Stiftung spitzt sich der Mangel an Grundschullehrern in den nächsten Jahren zu: Bis 2025 fehlten bundesweit 35 000 Lehrer für die ersten Schuljahre. In Niedersachsen mussten im laufenden Schuljahr bislang mehr als Tausend Lehrer von Gymnasien an Grundschulen aushelfen.

„Die Landesregierung muss mit den anderen Ländern bundesweit einen Masterplan gegen den Lehrermangel auflegen“, forderte die Schulexpertin der Grünen-Fraktion im Landtag, Julia Willie Hamburg. Zugleich müsse die Qualität beim Quereinstieg gesichert werden. Auch der deutsche Philologenverband forderte, dass länderübergreifend dabei gemeinsame Mindeststandards gefunden werden müssten. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte forderte die Landesregierung auf, zügig einen realistischen Plan aufzustellen, um den Lehrermangel insbesondere an Niedersachsens Grundschulen zu beheben.

Elternverband zeigt sich beunruhigt

Grafik: A. Brühl, Redaktion: B. Jütte

Der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens äußerte sich besorgt über die steigenden Zahl der Lehrerabordnungen: Die Anzahl der im zweiten Schulhalbjahr abgeordneten Stunden könne sich gegenüber dem vorigen Halbjahr mehr als verdoppeln. Damit könne an Gymnasien immer mehr Unterricht ausfallen. Über das genaue Ausmaß will Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag informieren. Auch der niedersächsische Philologenverband ist alarmiert. Nach seinen Erkenntnissen gab es bis Ende Januar weitaus mehr Abordnungen als befürchtet. „Das führte dann zu erheblichen Verschiebungen und Unterrichtsausfall“, sagte am Mittwoch der Vorsitzende der Lehrerorganisation, Horst Audritz.

Betroffen seien vor allem Fächer wie Religion, Politik und Geschichte gewesen, zudem sei es zur Zusammenlegung von Kursen gekommen. „Zum Teil gab es auch Abordnungen für anderthalb Jahre, das finden wir ganz unmöglich“, sagte Audritz. Sein Verband bestehe darauf, dass entsprechende Abordnungen zum Schuljahresende auslaufen müssten.

Diese Abordnungen von besser versorgten Schulen an solche mit schlechterer Ausgangslage seien ein Instrument des Ausgleichs, hatte das Kultusministerium schon im vergangenen Jahr erklärt. „Wir sind der Überzeugung, dass auch Grundschüler guten Unterricht verdient haben und wir deshalb auf die Kompetenzen der Gymnasiallehrkräfte zurückgreifen müssen - dort ist die Unterrichtsversorgung am besten“, sagte der Sprecher. An den Gymnasien seien zudem bewusst zusätzliche Stellen mit der Vorgabe geschaffen worden, dass vorübergehend Stunden abgegeben würden. Hintergrund: Das Land Niedersachsen sucht händeringend nach Lehrkräften vor allem an Grundschulen.

Ausmaß der Abordnung steigt

Nach einer internen Umfrage des Elternräte-Verbands steigt der Umfang der Abordnungen im Schnitt pro Gymnasium von 21 auf 52 Stunden wöchentlich. Insgesamt sei im zweiten Halbjahr eine Unterrichtsversorgung an Gymnasien unter 96 Prozent zu erwarten. Vor der geplanten Vorstellung der offiziellen Zahlen wollte sich das Ministerium nicht äußern. Audritz betonte, in einigen Regionen gebe es erheblichen Unmut bei den Gymnasiallehrern wegen mangelnder fachlicher Vorbereitung und auch Mitbestimmung. Zudem nähme auch der Unterrichtsausfall in den Mangelfächern Mathematik und Physik nun zu.

Die Arbeitszeit von Lehrern beschäftigt in einem anderen Fall auch die Gerichte. Zwei Grundschullehrer haben mit Unterstützung der Gewerkschaft GEW Klage gegen ihre überhöhte Arbeitszeit eingereicht. „Wir gehen nun auch den juristischen Weg, weil es von politischer Seite bisher noch nicht einmal ein Signal für eine umfassende Entlastung unserer Kolleginnen und Kollegen gibt“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth am Mittwoch. Insgesamt will die GEW zehn Fälle vor die Verwaltungsgerichte Braunschweig und Hannover bringen. Sie beginne mit Schulleitungen und Teilzeitkräften an Grundschulen, weil die Göttinger Arbeitszeitstudie 2016 bei ihnen besonders hohe Wochenarbeitszeiten festgestellt hatte, hieß es.

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