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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Hass auf den Hitler-Attentäter

03.08.2018

Hannover Der niedersächsische Landeschef der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) hat Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als „Verräter“ bezeichnet. „Stauffenberg war ein Verräter“, heißt es in dem Facebook-Beitrag von Lars Steinke. Steinke bestätigte der „Welt“, er habe „den Text selbst verfasst“. Auch auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA räumte Steinke den Beitrag ein, dieser sei bei Facebook nicht öffentlich einsehbar und nur von mit ihm befreundeten Nutzern zu lesen. In dem Facebook-Beitrag heißt es, das gescheiterte Attentat auf Hitler sei „der beschämende Versuch eines Feiglings“ gewesen, „die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten“. Stauffenberg sei nicht der Feind Hitlers gewesen, sondern „der Feind des deutschen Soldaten und der Zivildeutschen, damit Feind des deutschen Volkes und damit auch mein Feind“.

Im Widerstand gegen Hitler

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Foto) verübte am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler. Ein Kreis von Verschwörern vor allem aus dem konservativen und bürgerlichen Milieu hatte sich zum Ziel gesetzt, die Naziherrschaft in Deutschland zu beenden.

Der Staatsstreich scheiterte jedoch. Die meisten Verschwörer wurden sofort oder nach Schauprozessen hingerichtet. Ihre Familien nahmen die Nazis in Sippenhaft.

Die Äußerung stößt parteiintern auf Kritik. Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland sprach sich für einen Parteiausschluss Steinkes aus. Dessen Facebook-Äußerung ist für Gauland „bodenloser Schwachsinn“, wie ein Sprecher ihn bei Twitter zitierte. „Stauffenberg ist ein Held der deutschen Geschichte.“

Die niedersächsische AfD äußerte „Befremden“ über Steinke: „Der Landesvorstand stellt hierzu klar, dass diese Meinung in all ihrer Absurdität weder die Meinung des Landesvorstandes der AfD-Niedersachsen widerspiegelt, noch die der AfD insgesamt“.

Auch der JA-Bundesvorstand distanzierte sich. „Der Text Lars Steinkes widerspricht eklatant den Wertvorstellungen der Jungen Alternative für Deutschland“, erklärte JA-Bundeschef Damian Lohr in einer Mitteilung. Der JA-Vorstand werde mit dem AfD-Vorstand über Konsequenzen beraten.

AfD-Politiker machen immer wieder Schlagzeilen mit fragwürdigen Äußerungen zur deutschen Geschichte. Gauland selbst hatte jüngst für Empörung gesorgt, als er den Nationalsozialismus als „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ bezeichnet.

Steinke entging bereits 2017 einem Parteiausschluss. Er war wegen Kontakten zu Rechtsradikalen in die Kritik geraten. Das Parteiordnungsverfahren versandete jedoch.

Ein AfD-Flugblatt. BILD: DPA

Im historischen Abseits

Nwz-Kommentar Zur Afd

Ein niedersächsischer AfD-Politiker hält den Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg für einen „Verräter“ und Feigling“. Das wirft ein Schlaglicht auf die innere Verfassung der Partei, schreibt NWZ-Nachrichtenchef Alexander Will. Alexander Will

Oldenburg Inzwischen sollte auch dem geduldigsten Konservativen die Langmut mit der AfD vergangen sein. Das gilt vor allem angesichts der historischen Ausflüge und Ausfälle des AfD-Personals. Leute wie Lars Steinke mit seinen Tiraden gegen den Hitler-Attentäter Stauffenberg machen die AfD zu einer echten Nicht-Alternative.

Lesen Sie dazu den Artikel: „Hass auf den Hitler-Attentäter“

Es ist ja immer das gleiche Spiel: Zuerst kommt eine üble Entgleisung. Dann folgen mal mehr und mal weniger deutliche Distanzierungen aus der Partei. Schließlich versandet die Affäre ohne Konsequenzen für den Provokateur. Das war bei Wolfgang Gedeons antisemitischen Machwerken so. Das war bei Björn Höckes berüchtigter Brauhaus-Rede in Dresden so, und das war bei der „Vogelschiss“-Affäre um Alexander Gauland so. Im Fall Steinke ist es nun auch völlig Wurscht, ob der Facebook-Eintrag öffentlich oder privat war. Er illustriert vielmehr, dass die AfD Leute einer bestimmten Geisteshaltung magisch anzieht. Man kann sich als Partei natürlich entscheiden, so etwas zu dulden – nur ist man dann eben ein Neuaufguss der NPD.

Die Angriffe Steinkes auf Stauffenberg sind nun eine Ungeheuerlichkeit, die der AfD schwer zu schaffen machen dürfte. Zum einen geht es gegen eine Identifikationsfigur vieler Konservativer, deren politsche Heimat die Partei sein will. Stauffenberg und die Männer des 20. Juli werden für Opfermut und politische Einsichtsfähigkeit bewundert. Zum anderen spiegelt Steinkes „Argumentation“ die Tiraden Adolf Hitlers nach dem 20. Juli 1944. Der sprach auch von einer „Verräter-Clique“. Kaum je war da einer näher an Hitler.

Wenn die AfD also noch einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit bewahren will, muss sie Steinke rauswerfen. Nach den Erfahrungen mit Höcke und Gedeon wird es spannend, die kommenden Wochen zu beobachten. Eins aber ist klar: Mit folgenlosen Distanzierungen dürfen sich auch all jene nicht mehr zufrieden geben, die vielleicht mit gewissen politischen Positionen übereinstimmen. Hier gedeiht Übel.

Dr. Alexander Will
Leiter Newsdesk
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2092

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