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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Pro Quadratkilometer liegen 1300 Plastikteile

12.02.2019

Hannover /Bremerhaven Am Boden der Nordsee liegen nach Erkenntnissen des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts durchschnittlich 1300 Plastikobjekte pro Quadratkilometer. „Damit liegt die Nordsee im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Die Belastung entspricht ihrer starken kommerziellen Nutzung“, sagte der Meeresbiologe Lars Gutow am Montag in Hannover im Umweltausschuss des Landtags. Der Ausschuss befragte Experten, wie sich Plastikmüll verringern lässt und welche Gefahren von ihm ausgehen. Sowohl die oppositionellen Grünen als auch die Regierungsfraktionen von SPD und CDU haben Anträge in den Landtag eingebracht, in denen sie sich für eine Eindämmung der Plastikabfälle einsetzen.

Meeresbiologe Gutow sagte, rund 76 Prozent der Kunststoffobjekte am Meeresboden seien Überreste aus der Schleppnetzfischerei. Seevögel wie etwa die Trottellumme würden sich öfter in diesen Netzresten verfangen und sich darin erdrosseln. Auch auf dem Meer treibt laut Gutow jede Menge Kunststoffmüll.

Die Experten des Alfred-Wegener-Instituts haben auf der Nordsee eine küstennahe und eine küstenferne Ansammlung, ein sogenanntes Cluster, ausgemacht. Berechnungen zu Strömungen und Winden ergaben, dass der Müll in dem küstennahen Cluster vor allem aus den Flussmündungen von Weser, Ems und Elbe dorthin getrieben wurde, während der Kunststoff in dem küstenfernen Cluster aus der Mündung der Themse in Großbritannien und mehrerer Flüsse in Frankreich stammt. Ein Großteil dieses Mülls treibt den Rechnungen der Forscher zufolge von der Nordsee weiter in den Nordatlantik. „Die Nordsee ist ein wichtiges Quellgebiet für den Müll in der Arktis“, sagte Gutow.

Dorothea Seeger vom Meeresschutzbüro des Bundes für Natur- und Umweltschutz (BUND) zählte auf, was die Deutschen pro Jahr im Schnitt an Plastikprodukten verbrauchen: 9 Milliarden Getränkeflaschen, 3 Milliarden Kaffeebecher und 509 Millionen Take-Away-Verpackungen.

Doch wie lässt sich die Flut an Plastikmüll eindämmen? Jürgen Bertling vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, setzte auch auf Sanktionen für Verursacher. Supermärkte, Fastfood-Ketten und Kioske sollten zur Kasse gebeten werden für die Einwegverpackungen, in denen sie ihre Produkte anbieten, lautet seine Forderung. „Ob man das über Abgaben reguliert oder über Bußgelder, muss die Politik entscheiden.“ Auch Verbraucher, die etwa Zigarettenfilter oder Plastikbecher achtlos in die Gegend werfen, sollen bestraft werden. „Bei Einweggeschirr ist das ja fast schon boshaft, hier muss man den Bußgeld-Katalog für Littering voll ausschöpfen.“

Deutschland habe im internationalen Vergleich bei der Entsorgung von Kunststoffabfall schon viel erreicht - wenn auch nicht genug, hielt Jochen Wilkens, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Chemischen Industrie in Norddeutschland dagegen. „Auch mir erschließt sich nicht, warum eine Gurke im Supermarkt noch in Plastik eingeschweißt ist.“ Auch müssten teilweise die Gesetze geändert werden. So ließen sich Kunststoffschalen für Fleisch beispielsweise gut recycleln - dies sei aber lebensmittelrechtlich nicht erlaubt. Wilkens verwies darauf, dass es in Niedersachsen 30 000 Beschäftigte in der Kunststoffindustrie gebe. Die Industrie im Land produziere unter anderem Dralon-Fasern, Sportschuhe, Verpackungsfolie und Kunststoffe für die Autoindustrie.

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