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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Sinti empört über Diskriminierung

29.03.2019

Hannover /Hameln Werden Sinti in Deutschland systematisch diskriminiert? Ein Vermerk in einem Fall vergeblicher Wohnungssuche in Hameln legt das nahe. Es ist wohl kein Einzelfall. Der Vermerk auf dem Interessentenbogen ist eindeutig: „1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten!“, steht dort. Ein interner Vermerk der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH), der versehentlich an eine Wohnungssuchende (68) herausgegeben wurde, die in Hameln lebt. Der Fall zieht größere Kreise. Denn nun haben viele Sinti das schwarz auf weiß, was viele vermuten, aber nur selten belegen können: Auch acht Jahrzehnte nach der Verfolgung der „Zigeuner“ durch die Nationalsozialisten werden die schätzungsweise 70 000 bis 80 000 Sinti in Deutschland weiterhin benachteiligt.

Es gebe nach wie vor eine Form von alltäglicher Diskriminierung, sagt Herbert Heuß vom Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland. „Es passiert immer wieder“, sagt der wissenschaftliche Leiter des Zentralrats: Mal ist es eine junge Frau, die auf einem Computermonitor in einem südwestdeutschen Jobcenter einen entsprechenden Vermerk gesehen haben will. Mal ein Bewerber, bei dem die passenden Jobs trotz Qualifikation immer plötzlich vergeben sind. Doch einen so klar dokumentierten Fall wie in Hameln gebe es nur selten.

WGH-Vorstand Heinz Brockmann spricht von einer „einmaligen Fehlleistung“, die er in 37 Amtsjahren nicht erlebt habe, die nicht zu entschuldigen sei und „so nicht wieder vorkommen wird“. Er habe die Frau eingeladen, um sie um Entschuldigung zu bitten. Ebenso soll über Konsequenzen eine Sondersitzung des WGH-Aufsichtsrats entscheiden. Der Fall schlägt auch über Hameln hinaus Wellen: In einem verschickten gemeinsamen Brief fordern die regionalen Landtagsabgeordneten Anja Piel (Grüne), Petra Joumaah (CDU), Ulrich Watermann und Dirk Adomat (SPD) Brockmann auf, „an der Aufklärung des Falls offensiv mitzuwirken“. Der Fall fällt in eine Woche, in der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin eine Expertenkommission Antiziganismus einsetzt.

Die Grüne Piel hat der Betroffenen Hilfe angeboten. Sie kritisiert, dass die Große Koalition im Land Projekte zur sozialen Teilhabe von Sinti und Roma habe auslaufen lassen. „Der aktuelle Fall in Hameln zeigt, dass diese Kürzungen zurückgenommen werden und endlich tragfähige Strukturen unter Einbeziehung der Verbände aufgebaut werden müssen“, sagte Piel.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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