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Lebensmittel: Politik auf die herzhafte Weise

01.03.2019

Hannover Veganer sind im Club der bekennenden Fleisch- und Wurstesser eigentlich fehl am Platz. Denn Steaks und deftige Bratwürste sind bei dem rustikal-kulinarischen Netzwerkverein Trumpf. „Bei uns gibt es noch richtig was auf die Gabel“, meint Enno Appelhagen. Dennoch bekennt der Fleischermeister aus dem ostfriesischen Norden: „Ich bezeichne mich als Außenveganer. Wenn ich die Herkunft des Fleisches außerorts nicht kenne, etwa in Berlin, dann ernähre ich mich lieber vegan.“ Der umtriebige Fleischesser ist Initiator dieser Lobbyeinrichtung; am Mittwochabend verköstigte diese beim traditionellen parlamentarischen Abend im Gewölbekeller des Hannoverschen Rathauses rund 200 Gäste.

Appelhagen ist überzeugter Fleischgenießer und kann nach eigener Darstellung schon mal ein Kotelett zum Frühstück verputzen. Doch der Ostfriese will ebenso wie Co-Organisator Reiner Alberts nicht nur für „echten Fleischgeschmack“ werben.

Mettwurst und Gulasch

Es geht ihm auch um Probleme des ländlichen Raums und um die regionale Landwirtschaft. „Regionalität und Transparenz sind gerade in Sachen Fleisch entscheidend“, machte er bei dem zum 21. Mal stattfindenden Parlamentarischen Abend klar. Er gilt als eine Art Pflichttermin nicht nur für bekennende Fleischesser unter den Parlamentariern – darunter Spitzenpolitiker wie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Mit knurrendem Magen verlassen mussten Fleisch-Liebhaber diesen Abend kaum – dafür sorgte auch die Grünkohlpfanne mit ostfriesischer Mettwurst. Es ist ein Genussereignis mit Kultcharakter, bei dem zu launigen Reden Deftiges aus der Region kredenzt wird – bevorzugt fleischlastige ostfriesische Leckereien.

Auf der Speisekarte standen diesmal Deichlammgulasch, Bauerngrillschinken „Krummhörn“, Friesenspieße und Nordseekrabben. Die aus Ostfriesland stammende Vize-Landtagspräsidentin Meta Janssen-Kucz vermerkte es in ihrer auf Platt vorgetragenen Rede positiv. Die Grünen-Politikerin gehörte nach ihren Angaben zu den ersten weiblichen Club-Mitgliedern.

Neben der Werbung für die Küstenregion und den ungetrübten Fleischgenuss geht es in dem Club auch um die ländliche Entwicklung. Das sollte das Leitthema des Abends verdeutlichen: „Der Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft der Städte liegt in den ländlichen Räumen.“ Losgelöst von ideologischen Grabenkämpfen sollten Veränderungen gemeinsam angegangen werden. Das übergeordnete Motto lautete jedoch: „Kurze Reden, langes Büffet“ – Zeit zum Genießen und zum Gespräch.

Besondere Krawatten

Der Club – in den es auch Alt-Kanzler Gerhard Schröder oder Ex-Bundespräsident Christian Wulff geschafft haben – zählte nach offiziellen Angaben bisher weit mehr als 50 Mitglieder und diverse Ehrenmitglieder. „Das Markenzeichen des Clubs sind Krawatten mit aufgemalten Fleischmotiven“, sagt Landtagssprecher Kai Sommer, der von einer klassischen Netzwerk-Veranstaltung spricht.

Am Mittwochabend wurden neue Mitglieder aufgenommen, die sich um den ländlichen Raum verdient gemacht haben, darunter auch Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) und der CDU-Fraktionschef Dirk Toepf­fer.

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