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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Mehr Obduktionen gefordert

13.04.2018

Hannover Bei der Aufklärung von Todesursachen könnten Stichproben durch eine unabhängige Instanz nach Ansicht von Experten Klinikmorde wie die des Ex-Pflegers Niels Högel in Oldenburg und Delmenhorst verhindern helfen. Das wurde am Donnerstag bei der Verbandsanhörung zum neuen Bestattungsgesetz im Sozialausschuss des Landtags deutlich. Högel hatte Patienten Medikamente gespritzt, um sie zu reanimieren und als Held dazustehen. Laut Professor Michael Klintschar vom Institut der Rechtsmedizin der MHH werden geschätzt nur die Hälfte solcher Tötungsdelikte entdeckt.

2015 gab es nach Angaben von Professor Karl-Friedrich Bürrig vom Bundesverband Deutscher Pathologen bei 92 000 Todesfällen im Land – davon 41 000 in Hospitälern – nur 0,8 Prozent klinische Obduktionen. Bürrig betonte: „Wenn man sich eine Zahl von drei Prozent aller im Krankenhaus Verstorbenen bei den Obduktionen als Ziel setzt, wäre das ein guter Anfang.“ Der Verband sprach sich auch für Gerichtsmediziner wie in angelsächsischen Ländern aus, die als unabhängige Instanz Stichproben vornehmen. Zudem empfahl er die Verankerung einer qualifizierten äußeren Leichenschau in dem Entwurf. Die Kommunen forderten eine Klärung der anfallenden Kosten.

Nach der Novelle muss künftig der Arzt die Staatsanwaltschaft oder Polizei informieren, wenn er Anhaltspunkte für nicht-natürliche Tode findet. Dies gilt auch bei Hinweisen auf eine pflegerische oder ärztliche Fehlbehandlung sowie auch nach einem Unfall oder Suizid.

Der Entwurf für das neue Bestattungsrecht war bereits im Landtag debattiert worden. Er sieht zudem wichtige Änderungen vor, die die Verwendung von Grabsteinen aus Ländern mit Kinderarbeit in den dortigen Steinbrüchen bannen soll. Zudem soll es den gesellschaftlichen Wandel in der Trauer und Bestattungskultur abbilden. Dazu gehörte etwa das Umbetten Verstorbener oder das Verstreuen von Asche beziehungsweise die Entnahme von bis zu sechs Gramm zur Aufbewahrung.

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