• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Historiker erforscht Fürsorgegelder aus der NS-Zeit

09.04.2015

Oldenburg Der Oldenburger Medizinhistoriker Ingo Harms soll erforschen, wohin in Oldenburg während der NS-Zeit öffentliche Fürsorgegelder geflossen sind, die eigentlich für die Versorgung von Behinderten gedacht waren. Millionenbeträge seien den staatlichen Pflegeanstalten im Freistaat Oldenburg vorenthalten worden, sagte Harms am Mittwoch.

Hunderte Patienten seien schlicht verhungert. Den Forschungsauftrag erteilten der Gedenkkreis Wehnen und das Internationale Fluchtmuseum Oldenburg. Die Untersuchung werde mit privaten Mitteln finanziert.

Die Gelder für die Patienten seien ab 1933 radikal gekürzt worden, sagte Harms. Verantwortlich sei der Landesfürsorgeverband gewesen, der damals eine Abteilung des Innenministeriums des Landes Oldenburg war.

Pro Patient seien jährlich zwischen 200 und 300 Reichsmark „eingespart“ worden. Zusammen seien dies mehr als zwei Millionen Reichsmark.

Die Forschung sei möglich, weil die gesamte Buchführung des Verbandes nach dem Zweiten Weltkrieg an seinen Rechtsnachfolger, den heutigen Bezirksverband gegangen sei. Harms ist sich bereits nach einer ersten Sichtung der Akten sicher, dass erhebliche Summen an die NSDAP und ihr nahe stehenden Kultureinrichtungen gezahlt wurden. Dazu gehörten unter anderem etwa das Museumsdorf in Cloppenburg und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg.

Viele Menschen seien in den Oldenburger Einrichtungen bereits ab 1937 verhungert oder getötet worden, also zwei Jahre bevor Adolf Hitler 1939 den Krankenmord an Behinderten befohlen hatte, unterstrich Harms.

Bis zum Ende der NS-Zeit seien im Deutschen Reich insgesamt mehr als 200 000 Menschen in Heimen und Anstalten ermordet worden. Doch nirgendwo sonst sei es so früh zu Krankenmorden gekommen, wie im Oldenburger Land. Die NSDAP wurde bereits bei den Landtagswahlen 1931 des damaligen Freistaats Oldenburg stärkste Fraktion und stellte ab 1932 den Ministerpräsidenten.