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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Holocaust-Gedenken In Den Niederlanden: Erinnerung an 102 000 Opfer

24.01.2020

Hooghalen /Emlichheim Es geht um 102 000 Menschen. Um Kinder, Erwachsene, Frauen, Männer, Töchter und Söhne. Um Juden, Sinti und Roma aus den Niederlanden, die von den Nazis deportiert und umgebracht wurden. Die Niederlande gedenken dieser NS-Opfer in den kommenden Tagen: Bis Montag, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, lesen 800 Männer und Frauen die Namen und Lebensdaten dieser Menschen vor, rufen die Opfer damit wieder in Erinnerung. Auch Deutsche aus der Grenzregion nehmen an der Gedenkveranstaltung teil, darunter auch erstmals eine Politikerin.

Kamp Westerbork in Hooghalen ist die zentrale NS-Gedenkeinrichtung in den Niederlanden, ganz in der Nähe von Ems- und Ostfriesland. Alle fünf Jahre findet die Vorleseaktion statt. Dieses Mal gehört Daniela Kösters zu den Vorlesern. Sie ist Samtgemeindebürgermeisterin aus Emlichheim direkt an der niederländischen Grenze. Auch Ilona Heijen vom deutsch-niederländischen Kommunalverband Ems-Dollart-Region (EDR) liest etwa 140 Namen vor.

Kamp Westerbork steht für die Niederländer als Synonym für den Holocaust und die NS-Zeit. Rund 100 000 Menschen wurden von hier aus unter der Nazi-Besatzung deportiert und unter anderem nach Theresienstadt, Auschwitz oder Bergen-Belsen gebracht.

Emotionales Thema

1940 überfielen die Deutschen die Niederlande und besetzten das Nachbarland. Sie blieben bis 1945 – die Befreiung von den Deutschen feiern die Niederländer jedes Jahr am 4. und 5. Mai. Das Thema NS-Geschichte und das Verhältnis zu den Deutschen seien für viele Niederländer immer noch emotional hoch besetzt, sagt Bert Bouwmeester. Er ist Bürgermeister der niederländischen Gemeinde Coevorden, dem Nachbarort von Emlichheim. In zehn Minuten ist man von der Ortsmitte des einen Orts in die der Nachbarkommune gefahren. Beide Gemeinden betreiben einen gemeinsamen Gewerbepark mitten auf der Staatsgrenze.

Er lade schon seit 2005 seinen Amtskollegen aus der deutschen Nachbargemeinde zur Kranzniederlegung am Vorabend des „Befreiungstages“ am 4. Mai nach Coevorden ein, erzählt Bouwmeester. Trotz des Krieges überwiege an der Grenze heute die gute Nachbarschaft. Seit Jahrhunderten hätten in der Region Deutsche und Niederländer enge Beziehungen, seien gemeinsam in die Kirche gegangen, hätten dieselben Pfarrer gehabt und dasselbe Platt gesprochen. Vorbehalte gegen Deutsche bei Gedenkveranstaltungen kenne er aus seiner Kommune nicht.

Aber: „Gerade im Westen unseres Landes sieht man das Thema noch sehr emotional“, sagt Bouwmeester. Deutsche zu solchen Veranstaltungen einzuladen, sei für viele Kommunalpolitiker und Bürgermeister aus Regionen fernab der deutschen Grenze schwer vorstellbar. Insofern sei die Beteiligung von Deutschen an der Gedenkveranstaltung ein wichtiges Signal: „Es ist nicht selbstverständlich, dass das geschieht.“

Auch Bouwmeester liest mit im Kamp Westerbork. Seine deutsche Kollegin Kösters hatte ihn gefragt, ob er mitmachen wolle. Sie wiederum war von der Erinnerungsstätte angesprochen worden, nachdem sie signalisiert hatte, einmal mitmachen zu wollen. „Ich bin sehr oft in Westerbork“, erzählt die deutsche Kommunalpolitikerin. Das Lager sei nur 45 Kilometer von Emlichheim entfernt. „Aber hier kennt dieses Durchgangslager fast niemand.“ Um das zu ändern, habe sie mit Ratsmitgliedern und Schülern die Gedenkstätte besucht.

„Ich finde es schön, dass wir so weit sind, dass wir da stehen können mit Personen von beiden Seiten der Grenze“, sagt die Verwaltungsfachfrau Heijen. Für sie ist die Teilnahme auch ein Statement gegen das Wiedererstarken extremistischer und rassistischer Strömungen in Europa.

Viele wollen vorlesen

Unter den Vorlesern seien sehr viele, die die Namen ihrer Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern vorlesen wollen, sagt Gedenkstättensprecherin José Martin. Deswegen würden die Vorleser auch von ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet. 75 Prozent der jüdischen Bevölkerung der Niederlande seien im Holocaust umgekommen. „Das ist der höchste prozentuale Anteil von den Ländern in Europa.“

Das Vorlesen sei wichtig, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und auch ein wichtiges Mittel gegen Holocaustleugner. „Man kann nicht leugnen, wenn man ein Bild sieht von einem kleinen Kind mit blonden Locken und weiß, es ist nur fünf Jahre alt geworden“, sagt Martin.

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