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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Das nasse Grab der Jade

04.11.2014

Wilhelmshaven Am 4. November jährt sich zum 100. Mal der Tag einer Schiffskatastrophe auf der Jade unweit von Horumersiel: Dort lief am Morgen des 4. November 1914 der Panzerkreuzer „Yorck“ auf zwei Minen einer von der deutschen Marine gelegten Sperre. Sie sollte einen Angriff der englischen Kriegsflotte auf Wilhelmshaven verhindern.

Das Schiff sank schnell und riss einen großen Teil der Besatzung mit in die Tiefe. Die Zahl der Toten wird je nach Quelle mit 336 oder 283 angegeben.

Im Mai 1913 außer Dienst gestellt und der Reserve zugeordnet, war die „Yorck“ zu Beginn des Kriegs reaktiviert und der III. Aufklärungsgruppe zugeteilt worden. Diese war an einem der wenigen Offensiven beteiligt, die die Marine zu Kriegsbeginn von Wilhelmshaven aus startete: An der Beschießung der englischen Ostküste bei Yarmouth (Grafschaft Norfolk) am 3. November 1914 durch einen Verband von Großen – „Seydlitz“, „Moltke“, „Von der Tann“ und „Blücher“ – und Kleinen Kreuzern – „Straßburg“, „Kolberg“, „Graudenz“ und „Stralsund“, die auch Minen legten.

Gottesdienst zur Erinnerung

Die „Yorck“ lief am 14. Mai 1904 bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel und wurde im November 1905 in Kiel in Dienst gestellt. Der Große Kreuzer der Roon-Klasse war 127,8 Meter lang und 20,2 Meter breit.

Benannt wurde das Schiff nach Ludwig Yorck von Wartenburg (1759 bis 1830), dem preußischen General aus der Zeit der napoleonischen Kriege. Er hatte ein Neutralitäts-Abkommen mit den Russen, die so genannte „Konvention von Tauroggen“, geschlossen, ohne dazu von seinem König Friedrich Wilhelm II. befugt worden zu sein.

Als stolzes Schiff hatte Willy Stöwer (1864 bis 1931) die „Yorck“ mehrfach porträtiert. Der Marinemaler Stöwer war von Wilhelm II. hoch geschätzt und gefördert worden, bei mehreren Seereisen zählte er zur Begleitung des Kaisers. Eines seiner Bilder, das die „Yorck“ in voller Fahrt zeigt, ziert den Einband einer 1910 erschienenen Erzählung „An Bord des Panzerkreuzers ‚Yorck‘ rund um die Erde“ von Hans Nikolaus von Bernstorff (1856 bis 1914).

Die Marinekameradschaft Panzerkreuzer „Yorck“ in Horumersiel erinnert mit einem Gottesdienst an diesem Dienstag, 4. November, an den Untergang des Schiffs. Beginn ist um 18 Uhr in der katholischen Kirche St. Marien in Schillig.

Der Beschuss selbst blieb weitgehend ohne Wirkung, doch ein englisches U-Boot (D 5), das zur Verfolgung der deutschen Schiffe aufgebrochen war, fuhr auf eine deutsche Mine und sank. Die „Yorck“ hatte nicht am Angriff teilgenommen, sondern sicherte mit anderen Schiffen etwa auf halber Distanz den Rückweg. Bei der Rückkehr in den Heimathafen gingen die Schiffe wegen starken Nebels in der Außenjade vor Anker.

Obwohl sich der Lotse weigerte, die Verantwortung zu übernehmen, beschloss Kapitän Waldemar Pieper trotz eingeschränkter Sicht am frühen Morgen des 4. November, nach Wilhelmshaven einzulaufen. Dabei geriet die „Yorck“ auf eine Mine und bei einem Wendmanöver auf eine zweite, kenterte und sank.

Der Dichter Joachim Ringelnatz, der als Bootsmaat auf dem von der Kriegsmarine übernommenen früheren Seeschlepper ‚Vulkan‘ in Wilhelmshaven Dienst tat, berichtet über das Ereignis in seinen Erinnerungen: Es hieß, „ein Torpedoboot sei bei Schillig auf unsere eigenen Minen gelaufen. Wir erhielten Befehl, sofort ein Sanitätsschiff durch die Sperre zu lotsen, konnten dann aber in dem dicken Nebel das Schiff nicht finden [...]. Dann kam der Befehl, langsam nach Schillig zu dampfen und nach treibenden Minen zu suchen.[...] Wir spähten mit äußerst gespannten Augen in den Nebel [...] Und nun sichteten wir viele schwimmende Korkwesten und Hängematten [...] Und das Wasser war von nun an mit einer Ölschicht bedeckt. Wir suchten diese Gegend ab, holten eine Mütze heraus, die ich an mich nahm und die die Inschrift ‚S.M.S Yorck‘ trug. [...] Bald fischten wir weitere Mützen heraus, auf allen stand ‚Yorck‘ [...] Bald sahen wir das Wrack aus dem Nebel tauchen, ein gigantischer roter Walfischrücken [...] Sämtliche herbeigeeilten Kriegsschiffe richteten ihre Scheinwerfer auf das Wrack, das sich in dieser Beleuchtung seltsam romantisch von der Dunkelheit abhob.“ (Joachim Ringelnatz, Als Mariner im Krieg, Zürich, 2004, S. 72 ff. )

Bereits 1910 hatte Hans Nikolaus von Bernstorff (1856 bis 1914) der „Yorck“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Der Autor, ehemaliger Korvettenkapitän, hatte sich nach seinem Marinedienst 1896 seinen schon zuvor gepflegten schriftstellerischen Aktivitäten gewidmet. Er veröffentlichte eine Reihe von Erzählungen („Willi der Schiffsjunge“, „Unsere blauen Jungen“, „Auf großer Fahrt“, „Im bunten Rock“), in denen er – ganz im Sinne der durch Wilhelm II. geförderten Marine-Hochstimmung – seine jugendlichen Leser für den Marinedienst zu begeistern suchte.

So heißt es im Vorwort zur Erzählung „An Bord des Panzerkreuzers ,Yorck‘ rund um die Erde“: „Die hervorragende Disziplin, der Diensteifer und die Dienstfreudigkeit, die in unserer Marine herrschen, sind weltbekannt, ebenso wie der unvergleichliche Mut, die stete, opferwillige Hilfsbereitschaft und die seemännische Tüchtigkeit von Offizieren und Mannschaften [...]“

Dem verklärenden Bild der Marine, das Bernstorff entwirft, wurde die „Yorck“ allerdings kaum gerecht. Das Schiff war mehrfach in Unglücksfälle verwickelt. Bei dem bis dahin schwersten hatte sie am 4. März 1913 bei einer Übung vor Helgoland das Torpedoboot S 178 gerammt. Von der Besatzung der S 178 konnten nur 15 Mann gerettet werden, 69 ertranken.

Mit dem Untergang am 4. November 1914 fand die Geschichte der „Yorck“ ihr unrühmliches Ende.

Am 6. November erschien die amtliche Mitteilung des Admiralstabs: „S M großer Kreuzer Yorck ist am 4. November vormittags in der Jade auf eine Hafenminensperre geraten und gesunken. Nach bisherigen Angaben sind 382 Mann, mehr als die Hälfte der Besatzung, gerettet. Die Rettungsarbeiten wurden durch dichten Nebel erschwert.“

Wrack tiefer gelegt

Entsprechend der Kriegspropaganda wurde der weitgehend wirkungslose Angriff auf die englische Küste als Erfolg herausgestellt und als Husarenstreich gefeiert. Der Untergang der „Yorck“ wurde zwar bedauert, aber eher klein geredet: „Der Verlust des schönen erst zehn Jahre alten Panzerkreuzers mit etwa 250 Mann seiner Besatzung ist bitter genug, wenn auch die Flotte nicht gerade eine starke Gefechtseinheit eingebüßt hat. Yorck war noch einer der älteren Kreuzer [...] galt aber für ein recht stattliches Schiff, das wir schmerzlich vermissen.“

Der Schifffahrt auf der Jade bereitete das kieloben in der Nähe des Fahrwassers liegende Wrack der „Yorck“ noch jahrzehntelang Probleme. Um das Risiko zu verringern, wurden mehrfach Teilsprengungen (1926) oder Absenkungen (1936/37) vorgenommen. Die Fahrwasserverlegung in Zusammenhang mit der Industrieansiedlung auf dem Voslapper Groden machte dann die vollständige Beseitigung unumgänglich.

Man entschied sich für eine Absenkung des Wracks, da eine Bergung höhere Kosten verursacht hätte und auch Pietätsgründe dagegen sprachen: Im Wrack wurden noch die sterblichen Überreste vieler Matrosen vermutet. Unter Einsatz von zwei Saugbaggern wurden die Reste der „Yorck“ unterspült und unter die geforderte Mindesttiefe von 23 Metern gebracht. Diese Arbeiten waren am 4. Oktober 1983 abgeschlossen, im April 1987 wurde das neue Fahrwasser für die Schifffahrt freigegeben. Seitdem macht auch keine Wracktonne mehr auf die Position der „Yorck“ aufmerksam.

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