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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

75 Jahre Kriegsende: Noch kurz vor Kapitulation in Haft

15.05.2020

Im Nordwesten Der Politiker, der vor 75 Jahren, am 14. Mai 1945, bei der kanadischen Kommandantur in Oldenburg erscheinen sollte, hatte wenige Tage zuvor noch in Gestapo-Haft gesessen: Der damals 67-jährige Theodor Tantzen aus Butjadingen war von einem hohen kanadischen Offizier einbestellt worden. Den Ort des Gesprächs kannte Tantzen gut. Es war das Oldenburgische Staatsministerium an den Dobbenteichen, in dem Tantzen selbst schon als oldenburgischer Ministerpräsident von 1919 bis 1923 residiert hatte.

Das Ziel des Gesprächs war klar: Der Nazi-Gegner Tantzen sollte beim Aufbau eines demokratischen Deutschlands mithelfen und Verantwortung übernehmen. Erst eine Woche zuvor hatte der deutsche Generalmajor Behrend im Staatsministerium vor den Kanadiern die Kapitulation unterschrieben. Zwei Tage nach dem Gespräch mit Tantzen, am 16. Mai 1945, ernannte ihn die Britische Militärverwaltung zum Ministerpräsidenten des Landes Oldenburg.

Briten im Churchill-House

Die Briten selbst hatten ihre Militärregierung (zunächst für das Land Oldenburg, später auch für Ostfriesland) im ehemaligen Oldenburgischen Landtag untergebracht, gleich nebenan in der Ratsherr-Schulze-Straße, im Sitz der ehemaligen Gauleitung der NSDAP, residierte nun die britische Militärregierung für die Stadt Oldenburg. Aus dem ehemaligen „Adolf-Hitler-Haus“ wurde das „Churchill-House“.

Schon im Jahr 1945 wurden politische Parteien wieder zugelassen, zunächst auf Gemeindeebene. Ernannte Räte übernahmen schrittweise die Selbstverwaltung. In der Stadt Varel zum Beispiel war der SPD-Politiker und Nazi-Verfolgte Adolf Heidenreich am 1. Dezember 1945 zum ersten Nachkriegsbürgermeister gewählt worden. Überörtliche Parteiorganisationen wurden im Frühjahr 1946 gebildet, es folgten Wahlen auf Gemeindeebene und die Wahl der Kreistage. Tantzen war Ministerpräsident einer Regierung, die außer ihm zunächst keine weiteren Minister hatte. Im Dezember 1945 ernannten die Briten einen beratenden Ausschuss beim Staatsministerium, der Ende Dezember erstmals tagte. Im Januar 1946 trat dann erstmals ein von den Briten ernannter Oldenburgischer Landtag mit 45 Mitgliedern – in der Handwerkskammer, weil die Briten ja den Landtag nutzten – zusammen. Dem Landtag (später 50 Abgeordnete) gehörten 15 Abgeordnete der SPD, 14 der FDP, 14 der CDU, 4 der KPD und 3 keiner Partei an.

Und im März 1946 bildete der Liberale Tantzen eine Regierung mit dem ehemaligen Zentrums-Reichstagabgeordneten und kommissarischen Landrat des Landkreises Oldenburg, August Wegmann (CDU, Inneres), dem Minister für Kirchen und Schulen, Fritz Kaestner (SPD), und dem Finanzminister, Harald Koch (später hessischer Wirtschaftsminister, ebenfalls SPD). Die Eigenständigkeit des Oldenburger Landes endete indes bald. Die Briten drängten auf die Bildung eines großen Flächenlandes aus den Provinzen Hannover, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Oldenburg. Tantzens Versuch, Oldenburgs Eigenständigkeit wenigstens in einem Weser-Ems-Land mit Ostfriesland, Osnabrück und den Kreisen Wesermünde sowie Syke und Diepholz zu bewahren, hatte keine Chance. Die Briten hatten sich für ihre Besatzungszone für fünf Länder entschieden – zwei Stadtstaaten Hamburg und Bremen (wobei Bremen bis zum 10. Dezember 1945 zur US-Militärverwaltung gehörte, danach von den Briten verwaltet wurde) sowie drei Flächenländer. Da Nordrhein-Westfalen schon eine feste Größe war, blieben noch Schleswig-Holstein und eben das neu zu bildende Niedersachsen. Oldenburg ging zum 1. November 1946 im neugebildeten Land Niedersachsen auf, Tantzen wurde Verkehrsminister und stellvertretender Ministerpräsident unter Hinrich Wilhelm Kopf (SPD), dem ersten Ministerpräsidenten.

Landwirtssohn Tantzen

Tantzen wurde 1877 in Butjadingen als Landwirtssohn geboren. Er gehörte ab 1911 dem Oldenburgischen Landtag für die Fortschrittliche Volkspartei an. Nach der Novemberrevolution 1918 gehörte Tantzen zu den wichtigsten Politikern. Er wurde für die DDP (Deutsche Demokratische Partei, vergleichbar mit dem linksliberalen Flügel der FDP) in die Nationalversammlung in Weimar gewählt und war der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident des Oldenburger Landes (bis 1923).

Unter den Nationalsozialisten musste sich Tantzen aus der Politik zurückziehen. Er war dreimal in Haft (1939, 1944 und 1945). Der Nazi-Gegner war nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler (20. Juli 1944) als Verschwörer verhaftet worden, er wurde zeitweise im Konzentrationslager Ravensbrück und verschiedenen Haftanstalten festgehalten und schließlich am 25. April 1945 aus der Haft in Nordenham entlassen.

Tantzen starb am 11. Januar 1947 – wie es sich für einen Fleißigen wie ihn geziemt – am Schreibtisch in seinem Dienstzimmer in Oldenburg.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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