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Bartels kündigt Rückzug  an
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Aktualisiert vor 6 Minuten.

Erklärung Des Garreler Bürgermeisters
Bartels kündigt Rückzug an

NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Computerspiele sind Leistungskiller“

19.02.2019
Frage: Herr Professor Pfeiffer, Sie gelten als Experte in Sachen Jugendstrafrecht und haben selbst zwei Kinder großgezogen: Harte oder helfende Hand – was wirkt besser?
Pfeiffer: Eindeutig die helfende Hand. In München konnte ich untersuchen, welche von zwei Gruppen von Jugendrichtern mehr Rückfall erzeugt: die einen, die extrem wenig mit den Jugendlichen redeten und sie mit großer Härte bestraften oder die anderen, die im Gerichtssaal viel kommunizierten, sehr um Fairness bemüht waren und eher milde Sanktionen verhängten. Die harten Jugendrichter hatten um 40 Prozent höhere Rückfallquoten – und dies vor allem wegen der Jugendlichen aus der sozialen Unterschicht.
Frage: Wie haben Sie Ihre Kinder erzogen?
Pfeiffer: Wir haben mit ihnen gelebt und untereinander bitte und danke gesagt – das haben sie sich abgeguckt. Wir haben keine Regeln aufgestellt nach dem Motto „solange noch einer am Tisch isst, darf der andere nicht aufstehen“ oder so etwas. Bei uns war ohnehin klar: Essen macht Spaß, weil wir uns miteinander unterhalten. Dann braucht man keine Regeln. Viele Regeln, die früher üblich waren, erschienen uns reichlich überflüssig. Wichtig war, sich zu kümmern, engagiert dran zu sein. Das heißt nicht, dass es bei uns überhaupt keine Regeln gab, schließlich will man als Familie ja friedlich miteinander existieren, ohne sich auf die Nerven zu gehen. Unsere liebevolle Erziehung hat sich jedenfalls ausgesprochen positiv ausgewirkt.
Frage: Bleiben wir mal bei Kindern. Sie sind ein scharfer Kritiker von Unterhaltungsmedien – sollten Kinder besser die Finger davon lassen?
Pfeiffer: So weit würde ich nicht gehen. Es hängt von der Zeit ab, die man diesen Medien widmet. Wir befragen regelmäßig Jugendliche, wie viel Zeit sie pro Tag etwa für Computerspiele aufwenden. Der Anteil der Jungen, die pro Tag mehr als viereinhalb Stunden spielen, lag vor zwölf Jahren bei 15 Prozent und dann ist er bis 2015 auf 19 Prozent gestiegen. Bei den Mädchen ist er gesunken, von vier auf 1,8 Prozent. Das heißt, früher waren die Jungs vier Mal so oft Intensivspieler, dann aber zehn Mal so oft.
Frage: Was macht das mit den Jungs?
Pfeiffer: Auf einmal hatten wir eine Erklärung dafür, warum die Leistungsschere zwischen Jungen und Mädchen immer größer wird. Computerspiele sind Leistungskiller, sie klauen zu viel Zeit. Sie bewirken außerdem, dass Bewegungsarmut zunimmt. Kinder brauchen Bewegung, die Hirnentwicklung braucht Bewegung. Wenn das Ganze in Maßen bleibt und Kinder pro Tag gut eine Stunde Computerspiele spielen, in der Gruppe auch mal etwas länger, dann ist das alles harmlos. Wenn es aber so ausufert, dass Kinder und Jugendliche am Tag drei, vier oder am Wochenende sogar sechs bis acht Stunden vor dem Bildschirm sitzen, dann wirkt sich das drastisch negativ auf Schulnoten und ihre Gesundheit aus und hat auch soziale Konsequenzen. Soziale Kontakte zu anderen, die Entwicklung von Freundschaften, sich streiten und wieder versöhnen – wenn das alles verkümmert, weil man im Übermaß auf einen Bildschirm starrt, dann mündet das letztlich in die Dominanz der Jungen beim Sitzenbleiben in der Schule und später beim Versagen an der Uni. Von 100 Studenten, die eine Prüfung wiederholen müssen, sind 70 Männer, früher waren es 55.
Frage: Kommen wir zu Ihrer Zeit als Justizminister des Landes Niedersachsen von 2000 bis 2003. Wie haben Sie die Debatten im Landtag erlebt?
Pfeiffer: Das Niveau war teilweise schlecht. Ich habe dann von einer Studentin die Biografien aller Abgeordneten in ein Computersystem eingeben lassen, weil ich wissen wollte, woran es liegt, dass manche Politiker so gemein und aggressiv im Umgang mit anderen sind. Das war in allen Parteien so.
Frage: Was ist dabei herausgekommen?
Pfeiffer: Es gab eine interessante Unterscheidung zwischen den Parteiindianern und den Bürgerhäuptlingen.
Frage: Wie bitte?
Pfeiffer: Nun ja, die Menschen , die schon in ganz jungen Jahren ohne jemals einen gestanden Beruf ausgeübt zu haben, Abgeordnete des Landtags werden, sind in Gefahr, abhängig von der Partei zu werden, weil sie unbedingt wieder auf die Landesliste kommen müssen. Sonst verlieren sie ihren Job und haben nichts, das sie auffängt. Diese Angst vor einem radikalen sozialen Abstieg ist lähmend. Man sieht die politischen Gegner dann als Feinde, steigt polemisch ein und macht sie nieder. Auf der anderen Seite gab es die souveränen Bürgerhäuptlinge. Menschen also, die einen gestandenen Beruf gelernt und ausgeübt haben, die deshalb erhobenen Hauptes verlieren können dadurch freier und kreativer sind.
Frage: Sie sind seit 50 Jahren in der SPD. Wie bewerten Sie den aktuellen Niedergang „Ihrer“ Partei, was den Wählerzuspruch angeht?
Pfeiffer: Das ist traurig, war aber verdient. Die SPD hat es lange versäumt, ein unverwechselbares Profil zu entwickeln. Sie ist unscharf geworden. Sie bemüht sich allerdings gerade, Akzente zu setzen, die ich richtig finde. Zum Beispiel zwölf Euro Mindestlohn. Auch die Idee der Grundrente ist richtig. Die SPD hat allen Grund, sich hier neu aufzustellen. Auch das Spitzenpersonal der SPD ist nicht immer glücklich aufgetreten.
Frage: Braucht die SPD jemanden, wie unseren Ministerpräsidenten Stephan Weil, in Berlin?
Pfeiffer: Ja. Herr Weil ist ein eminent kluger und vernünftiger Politiker, der eigenständig Profil erlangt hat. Ich glaube, dass sein Kurs, der Mitte- Links angesiedelt ist, der SPD auf Bundesebene helfen wird. Er mischt sich ziemlich oft mit guten Argumenten in bundespolitische Dinge ein. Von daher hat er schon das Profil und signalisiert, „mich gibt’s hier auch“. Der nächste konsequente Schritt wäre, im Falle einer erheblichen Krisensituation seinen Hut in den Ring zu werfen. Kommt es etwa zu Neuwahlen, dann braucht die SPD einen Kanzlerkandidaten. Da würde ich mich freuen, wenn Herr Weil diese Option prüft. Ich traue es ihm zu.
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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