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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Kürzung von Leistungen führt zu mehr Kriminalität“

04.01.2018
Frage: Mehr Gewaltkriminalität durch mehr Zuwanderer – lässt sich so das Ergebnis Ihrer Studie zusammenfassen?
Pfeiffer: Wenn mehr als eine Million Menschen mehr ins Land kommen, steigt natürlich auch die absolute Zahl der Gewalttaten. Das Besondere ist: Der Zuwachs an polizeilich registrierter Gewaltkriminalität in Niedersachsen fällt mehr als doppelt so hoch aus wie vor dem Hintergrund der Zuwanderung zu erwarten gewesen wäre. Auffällig ist auch: Die Zahl der Strafanzeigen gegen Flüchtlinge ist im Vergleich deutlich höher als die gegen Deutsche. Die Alters- und Geschlechtsstruktur der Flüchtlinge unterscheidet sich deutlich von der der Deutschen.
Frage: Das heißt konkret?
Pfeiffer: Es sind sehr viele junge Männer zu uns gekommen. Der Anteil der 14 bis 30-Jährigen der deutschen Bevölkerung liegt bei knapp neun Prozent, ist aber für die Hälfte aller Gewalttaten hierzulande verantwortlich. Von den zu uns gekommenen Flüchtlingen gehören 27 Prozent zu dieser jungen Altersgruppe. Das wirkt sich natürlich entsprechend aus. Es sind auch nur 20 Prozent Frauen gekommen. Da fehlen die Partnerinnen, die Familie. Es herrscht eine ziemlich starke Machokultur. Kriegsflüchtlinge etwa aus Syrien verhalten sich eher korrekt und vorsichtig. Anders ist das bei Flüchtlingen aus Nordafrika. Und wer von Anfang an erklärt bekommt, dass er nicht willkommen sei, wieder zurückkehren soll, reagiert frustriert und wütend. Die Enttäuschung über eine teure gefährliche Flucht nach Deutschland ist dann bei diesen Verlieren groß, deren Asylantrag abgelehnt wird. Daraus hat sich sehr viel Gewalt entwickelt. Dagegen integrieren sich Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan und Syrien gut.
Frage: Sie fordern mehr Prävention gegen Gewalt. Was muss geschehen?
Pfeiffer: Wir müssen etwas tun, damit sich abgelehnte Asylbewerber, die Verlierer dieses Prozesses, nicht zu einer echten Gefahr entwickeln. Da haben wir ein großes Problem. Im vergangenen Jahr wurden die Asylanträge von 327 000 Menschen abgelehnt. 200 000 davon haben Klage eingereicht und noch eine Frist. Das Rückführungsprogramm mit rund 21 000 Rückkehrern bei rund 1,2 Millionen Menschen, die gekommen sind, hat nicht viel gebracht. Oft weigern sich Herkunftsländer, ihre Landsleute wieder zurückzunehmen. Warum machen wir nicht einen Deal? Wir leisten für sie kräftig Entwicklungshilfe, damit sie auch Aufnahmeprogramme für diese Rückkehrer entwickeln können. Bis zu ihrer Rückkehr müssen sie hierzulande eine Perspektive wie Sprachkurse oder Praktika haben. Wir müssen alles tun, damit sich die Verlierer des Flüchtlingsprozesses nicht zu einer echten Gefahr entwickeln. Die künftige Bundesregierung muss auch Programme für diejenigen entwickeln, die zurückkehren müssen.
Frage: Die CSU fordert eine Kürzung von Asylleistungen, um Anreize zu vermindern, nach Deutschland zu kommen. Ein wirksames Mittel?
Pfeiffer: Die Kürzung von Asylleistungen wäre ein Förderprogramm für Kriminalität. Das wäre ein Fehler. Die Hilfen sind ohnehin sehr knapp bemessen. Die Menschen, denen wir Chancen bieten, hier Asyl zu bekommen, sollten wir auch anständig behandeln. Daran sollten wir nichts ändern. Im Gegenteil: Der Familiennachzug sollte ermöglicht werden. Auch wenn er mit hohen Kosten verbunden wäre. Das trägt auch dazu bei, dass die jungen Männer eine bessere Perspektive haben und weniger gewalttätig werden. Wir sollten hier nicht sparen und kürzen, sondern investieren. Das zahlt sich am Ende aus.
Frage: Sie haben ihre Studien auf Niedersachsen beschränkt. Ist das repräsentativ?
Pfeiffer: Niedersachsen entspricht etwa dem Bundesdurchschnitt und ist von daher repräsentativ auch für den Bund. Es ist weder ein extrem reiches, aber auch kein armes Land. Es ist ein Durchschnittsland für die Republik.

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