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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Nachfragen galt lange als Nestbeschmutzung

09.11.2018
Frage: Herr Peters, die Pogromnacht ist 80 Jahre her. Ist die regionale Geschichte der Judenverfolgung gut aufgearbeitet?
Peters: Die regionale Geschichte ist relativ gut aufgearbeitet, zumindest was den Pogrom vom 9., 10. und 11. November 1938 in den Orten angeht, wo es Synagogengemeinden gegeben hat. Bei einer Fortbildungsveranstaltung in Aurich kürzlich zeigte sich, dass es zwar unterschiedliche Forschungsstände und Herangehensweisen in der Region gibt, aber die Fakten stehen doch ziemlich genau fest. Einen Forschungsbedarf gibt es sicherlich bei den Täterpersönlichkeiten.
Frage: Warum hat es eigentlich so lange gedauert mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte?
Peters: Von Ende der 70er Jahre bis Ende der 80er Jahre hat es eine Graswurzelbewegung gegeben, dass man sich mit der Geschichte der eigenen Stadt, der eigenen Schule beschäftigt hat. In manchen Orten wie in Jever oder Oldenburg ist es früher in Gang gekommen, in anderen wie Varel begann das später. Warum es so lange gedauert hat? Die Logik liegt auf der Hand. Die Täter oder Belasteten schieden zu jener Zeit aus dem Berufsleben aus, das sie ja teilweise in wichtige Positionen gehievt hatte. Natürlich hatte es auch mit der 68er-Bewegung zu tun und der Fernsehserie „Holocaust“, die das Interesse an dem Thema weckte. 1985 hatte Bundespräsident Richard von Weizsäcker seine viel beachtete Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes gehalten, in der er zur Aufarbeitung der Vergangenheit aufgerufen hat. Vorher war das Forschen in der örtlichen Nazi-Vergangenheit nicht akzeptiert, da galt man als Nestbeschmutzer. Daran kann ich mich auch sehr gut erinnern. Die regionalen politischen Verantwortungsträger waren lange desinteressiert. Erst in den letzten Jahren spüre ich aus dieser Richtung einen deutlichen Rückenwind. Hier spielt das Erschrecken über die NSU-Morde, die 2011 ans Licht kamen, sicherlich eine Rolle.
Frage: Es gibt im Nordwesten eine Reihe Erinnerungsorte – werden es noch mehr?
Peters: Das Gröschler-Haus in Jever ist zugleich Erinnerungsort, ein Veranstaltungsort und ein außerschulischer Lernort. Erinnerungsort ist es, weil dort die Synagoge in Jever stand. Aber es ist auch ein Ort der Begegnung. Vielleicht gelingt es auch, Bezüge zu aktuellen politischen Entwicklungen herzustellen, denken Sie an die Fremdenfeindlichkeit. Die Zahl der Erinnerungsorte wird anwachsen. Im Frühjahr ist zum Beispiel in Zetel eine Stele zur Erinnerung an die deportierte Sinti-Familie Frank/Franz eingeweiht worden. Dort gibt es eine erläuternde Texttafel und per QR-Code kann man sich weiter informieren. Es werden mehr Erinnerungsstellen dieser Art geben.
Frage: Braucht es eigentlich ein jüdisches Museum des Nordwestens?
Peters: Grundsätzlich finde ich es besser, wenn die Geschichte vor Ort auch vor Ort abgebildet und aufgearbeitet wird. Die Reduktion auf jüdische Geschichte, wenn es um den Nationalsozialismus geht, als ein gesellschaftlich-ideologisches System, finde ich zu kurz gegriffen. Wenn man sich Bezüge zu heute offen halten will, wenn man sich mit Herrschaftsstrukturen, Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit beschäftigen will, sind außerschulische Lernorte besonders geeignet, auch für Erwachsene.
Hans Begerow
Leitung
Politik/Region
Tel:
0441 9988 2091

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