• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Lesung In Jever: Joachim Gauck wirbt für „kämpferische Toleranz“

29.02.2020

Jever Auch Toleranz hat ihre Grenzen. Das war die wichtigste Erkenntnis des Vortrags, den Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (80) am Donnerstagabend auf Einladung der Volksbank Jever hielt. Der Bundespräsident a. D. las aus seinem Buch „Toleranz: einfach schwer“. Vor allem aber redete er über das, was für ihn Toleranz bedeutet. Das war fesselnd, an einigen Stellen durchaus amüsant. Dabei vermischte er Erfahrungen aus seinem Leben mit theoretischen Betrachtungen.

„Jeder, der tolerant sein will, braucht auch die Kraft zur Intoleranz“, resümierte er am Ende der Veranstaltung. Man müsse auch extreme Positionen tolerieren, solange sie nicht selbst Intoleranz und eine Unterwanderung unseres Rechte- und Wertesystems bedeuten. Gauck nennt dies „kämpferische Toleranz“, die Idee hatte derweil auch schon Karl Popper (1902-1994). Er nannte dies Toleranz-Paradoxon: „[...] wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“ Bei Gauck klingt das ähnlich, er sagte unter anderem, dass Streit sowohl zur Demokratie als auch zur Toleranz gehöre.

Als Beispiele für nicht zu tolerierende Standpunkte nannte Gauck unter anderem pa­triarchalische, Gewalt gegen Frauen billigende Einstellungen von „Zugewanderten“, Neonazismus oder religiösen Fanatismus. An der umstrittenen Hufeisentheorie kommt er dabei nicht vorbei. „In ihrem [...] auf Spaltung und Polarisierung angelegten Weltbild unterscheiden sich Rechtsradikale nicht von Linksradikalen und nicht von Islamisten“, betonte er.

Gauck ist, das wurde in Jever deutlich, ein liberaler Konservativer, dem auch am Wertkonservatismus viel gelegen ist. Er reflektierte gegenüber den Gästen im ausverkauften Theater am Dannhalm dabei an mehreren Beispielen, wie oft er selbst im Alltag und der Politik an seiner Toleranz arbeiten musste. „Nicht alles, was fremd ist, muss schlecht sein“, sagte er beispielsweise in Bezug auf seine anfängliche Abneigung gegen Döner. Aber auch: „Nicht alles, was fremd ist, muss toleriert werden.“

Ferner warnte Gauck anhand eines aktuellen Beispiels vor dem Pauschalisieren. Nicht alle AfD-Wähler, ja nicht einmal alle AfD-Politiker seien Nazis, ähnliches gelte auf der anderen Seite des Hufeisens für Die Linke. „In Deutschland hat jeder das Recht, reaktionäre Meinungen zu haben“, betonte er. Das „ist zwar peinlich“, eine Demokratie müsse das aber aushalten. „Ich möchte, dass mit solchen Reaktionären gestritten wird“ und das bewusst. Zumindest solange die Streitpartner besagte Grenze zur Gefährdung des Werte- und Rechtesystems nicht überschreiten.

Wenn Joachim Gauck nach Jever kommt, dann ist das auch die Fortführung einer Tradition. Schon mehrfach war er in der Stadt zu Gast, stets auf Initiative des Volksbank-Vorstandsvorsitzenden Michael Engelbrecht.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2154
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.