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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Kampf um eine Kulturlandschaft

08.05.2013

Elisabethfehn Für die Aktivisten der Bürgerinitiative „Rettet den Elisabethfehnkanal“ wird die seit Monaten anhaltende öffentliche Diskussion um die Zukunft des einzigen noch schiffbaren Fehnkanals in Deutschland genau zur richtigen Zeit geführt. Schließlich wird im September ein neuer Bundestag gewählt. Da geraten Volksvertreter und Bundestagskandidaten unter Druck. Der für Elisabethfehn (Gemeinde Barßel, Landkreis Cloppenburg) und damit den Kanal zuständige Wahlkreis-Vertreter der in Berlin regierenden CDU heißt Franz-Josef Holzenkamp. Der Abgeordnete aus Emstek trägt nicht nur politische Verantwortung, sondern kennt die Problematik detailgenau. Schließlich hat Holzenkamp dort seine Kinder- und Jugendzeit verbracht und ist direkt am Elisabethfehnkanal auf dem Bauernhof seiner Eltern aufgewachsen.

Streitbare Einwohner

Doch weil Holzenkamp und die anderen politisch Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt seit Monaten keine Zukunftsperspektiven für den Elisabethfehnkanal vorzeigen können, rufen die streitbaren Einwohner aus den Fehnkolonien im Nordwesten nun zum Massenprotest auf. Dazu haben sie ein Aktionswochenende von Donnerstag, 9., bis Sonntag, 12. Mai, organisiert. Dann wird auch die Ankunft der ersten Siedler vor 150 Jahren gefeiert. Erwartet werden in der Kanal-Gemeinde im Norden des Landkreises Cloppenburg allein am Himmelfahrtstag, 9. Mai, bis zu 60 000 Menschen.

Zentrum der Proteste sind an Himmelfahrt der Kanal und seine Uferstraßen. Am Westufer findet seit vielen Jahren an diesem Tag der längste Flohmarkt der Republik statt. Auf gut zehn Kilometern reiht sich Verkaufsstand an Verkaufsstand. Bis zu 2000 solcher Stände erwartet der private Veranstalter. Der Flohmarkt ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet und ist für sich genommen bereits ein Besuchermagnet.

In diesem Jahr tummeln sich jedoch auf dem Kanal und seinen beiderseitigen Straßen auch noch die Protestler, die mit Vehemenz für eine Zukunft des Elisabethfehnkanals eintreten. Und diese Zukunft ist akut gefährdet, weil eine der bis zu 150 Jahre alten hölzernen Schleusen in Elisabethfehn-Osterhausen dringend durch einen gut 2,5 Millionen Euro teuren Neubau ersetzt werden muss.

Zahn der Zeit

Der Zahn der Zeit hat an dem denkmalgeschützten Bauwerk genagt. Im vergangenen Jahr konnten die Experten vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Meppen die Schleuse nur mit Mühe reparieren und wieder in Betrieb nehmen. Bis zu 1000 Sportboote durchfahren jährlich den Elisabethfehnkanal und sind dabei natürlich auf die Funktionstüchtigkeit der alten Schleusen und Brücken angewiesen.

Doch weil die Bundesregierung im fernen Berlin den Elisabethfehnkanal nicht länger in ihrem Bestand als teuer zu unterhaltende Bundeswasserstraße führen will, gibt es politischen Streit. Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, will die Euro-Millionen für die Schleuse nicht freigeben und verweist auf das Land Niedersachsen. Schließlich sei der Kanal eine touristische Attraktion. Und die Förderung des regionalen Fremdenverkehrs sei nun mal eine Sache der Länder. Der Bund könne im Fall des Elisabethfehnkanals allenfalls einen Zuschuss zum Schleusenneubau geben. Eine Kofinanzierung müsse vom Land und den Kommunen organisiert werden.

Bund in der Pflicht

Bei Niedersachsens neuem Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) beißt Ferlemann mit seiner Forderung auf Granit. Lies sieht den Bund in der Pflicht. Schließlich sei er der Träger des Kanals. Die Haltung von Minister Lies geht konform mit den Hoffnungen der örtlichen Bürgerinitiative. Deren Sprecher ist Prof. Dr. Walter Eberlei (52). Er stammt aus Elisabethfehn, ist am Kanal groß geworden und ist Sozialwissenschaftler und Inhaber eines Lehrstuhls an der Fachhochschule Düsseldorf für Soziologie. Eberlei: „Wenn in Elisabethfehn für den Kanal gekämpft wird, geht es nicht nur um eine Schleuse für Wassertouristen, sondern um die Kulturlandschaft Fehngebiet.“ Der Elisabethfehnkanal sei als letzter intakter Fehnkanal wichtiges Element dieses Fehngebiets. Seit 150 Jahren lebten dort Menschen und hätten einen wichtigen Beitrag zur Entstehung der Kulturlandschaft geleistet.

Schirmherr Kossendey

Schirmherren des Protest- und Aktionswochenendes mit zahlreichen Veranstaltungen sind die Präsidenten der Oldenburgischen und der Ostfriesischen Landschaft, Thomas Kossendey und Helmut Collmann. Am Donnerstag, 9. Mai, 15 Uhr, spricht Wirtschaftsminister Olaf Lies auf einer Kundgebung am Moor- und Fehnmuseum in Elisabethfehn. Am Morgen wird bereits ab 10 Uhr mit einem Bootskorso auf dem Kanal und einer Fahrrad-Sternfahrt demonstriert. Genau zur richtigen Zeit, findet Walter Eberlei mit Blick auf den Wahltermin im Herbst.


Ein Spezial unter   www.nwzonline.de/elisabethfehnkanal 
Heinz-Josef Laing Friesoythe / Redaktion Münsterland
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