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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Kann er Klinikmörder wie Niels Högel verhindern?

26.07.2016

Hannover Als Konsequenz aus der Mordserie des Krankenpflegers Niels Högel hat Niedersachsen einen Landespatientenschutzbeauftragten eingestellt. Der Mediziner Peter Wüst (60) ist seit diesem Monat im Gesundheitsministerium der Ansprechpartner für Kranke und deren Angehörige. Er werde Beratungs- und Unterstützungsangebote vermitteln sowie Beschwerden bündeln, sagte Wüst am Montag in Hannover. „Das ist ein wichtiger Weg, um Probleme im System zu erkennen, zu kommunizieren und abzubauen.“

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Auch Ärzte oder Pfleger können sich bei dem Landesbeauftragten melden, wenn sie den Verdacht haben sollten, dass an ihrem Arbeitsplatz etwas schief läuft. Niels Högel soll am Klinikum Delmenhorst bis 2005 mindestens 33 Patienten mit einem Herzmittel zu Tode gespritzt haben. Die Zahl der möglichen Opfer an seinem vorherigen Arbeitsplatz, dem Klinikum Oldenburg, ist noch unklar. Nach Überzeugung der Ermittler lagen den damals Verantwortlichen frühzeitig Hinweise auf die Taten vor. Gegen acht Klinik-Mitarbeiter laufen Ermittlungen wegen Totschlags durch Unterlassen.

Der niedersächsische Landtag hatte nach der beispiellosen Mordserie in einem Sonderausschuss Strategien entwickelt, wie Patienten vor Übergriffen besser geschützt werden können. Vorgeschlagen wurden unter anderem psychologische Eignungstests vor Beginn der Ausbildung zum Krankenpfleger.

Die Einstellung des Landesbeauftragten sei ein Mosaikstein auf dem Weg zu einem besseren Patientenschutz, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt. Die SPD-Politikerin hatte sich zudem dafür ausgesprochen, dass künftig Blutentnahmen obligatorischer Teil der Leichenschau werden. Wie viele Patienten Niels Högel tötete, wird nie zu klären sein, weil das Herzmittel bei feuerbestatteten Patienten nicht mehr nachzuweisen ist.

Peter Wüst ist auch Koordinator der ehrenamtlichen Patientenfürsprecherinnen und Patientenfürsprecher, die jedes Krankenhaus in Niedersachsen benennen muss. Der Ministerin zufolge haben 149 der 185 Krankenhäuser im Land inzwischen einen solchen unabhängigen Fürsprecher gemeldet. Einen Landespatientenschutzbeauftragten haben neben Niedersachsen die Bundesländer Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Wüst sieht die Gefahr, dass kranke Menschen in Kliniken nur noch als Fälle, die abgearbeitet werden müssen, gesehen werden. „Patienten haben häufig das Gefühl, dass die Ärzte und das Pflegepersonal zu wenig Zeit haben“, sagte er. Dies habe mit der Schwierigkeit der Häuser zu tun, eine auskömmliche Finanzierung zu erreichen.

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